Freitag, 6. Juli 2012

Entlang der mongolischen Grenze



Am Kargy (ca. 30 km Luftlinie vor Mugur-Aksy) - Mündung des Chemtschegejlig-Chem

Die Nacht wird dann nicht sehr erholsam. Etwas nach Mitternacht werden wir von unserer Alarmanlage an den Velos geweckt. Wie abgesprochen, beginne ich zu Bellen, kurz später setzt auch Christian ein. Draussen ist ein Rascheln und dann etwas was tönt wie sich rasch entfernende Hufe zu hören. Christian deutet es als Hirsch und geht raus, um den Alarm abzuschalten. Wir sind noch im Zelt am Diskutieren als plötzlich sehr nahe ein Schuss knallt. All die schlechten Berichte, die wir über die Tuvinen (in ihrem Land sind wir seit zwei Tagen) hörten und lasen kommen uns in den Sinn. Unser erster Gedanke ist, da will uns jemand weg haben, wir verbinden es zuerst gar nicht unbedingt mit dem Abgehen des Alarmes. Wir beschliessen pro aktiv zu sein, und beschliessen raus zu gehen um mit der schiessenden Person Kontakt aufzunehmen um zu wissen, was sie wirklich will. Doch niemand meldet sich und es ist nichts zu hören und sehen, und dennoch haben wir das Gefühl es sei noch jemand in der Nähe. Auch weitere Versuche Kontakt aufzunehmen sind nicht erfolgreich. Sollen wir das Zelt abbauen und trotzdem, dass es mitten in der Nacht ist weiterfahren? Wir beschliessen abzuwarten bis es leicht dämmert, wirklich an geruhsames Schlafen ist nicht mehr zu denken. Am Morgen sehen wir, dass die Expander, mit welchen wir jeweils die Räder am Zelt befestigen gelöst sind. Dies war wohl kaum ein Hirsch! Hat sich also die Alarmanlage gelohnt. Ob der Schuss aus Verärgerung über den vereitelten Diebstahl war? Leider tröpfelt es als wir losgehen (als erstes überqueren wir den Fluss). Vor allem bei mir wirkt der Schreck der Nacht noch nach und der fehlende Schlaf tut sein übriges dazu, am liebsten möchte ich heim, und es fällt mir schwer mich an der auch im Nieselregen schön aussehenden Landschaft zu erfreuen. Nur ab und an sieht man eine Jurte, die Stelle wo wir übernachteten war wohl die am stärksten besiedelte. Erst als wir kurz vor Mugur-Aksy sind hat es öfters Verkehr. Mugur-Aksy überrascht mich dann positiv. Die Ortschaft ist sehr belebt, gepflegt und wohl im Wachstum, so wird an ihrem Rand überall gebaut. Auch die Leute begegnen uns offen und freundlich und wie in der Mongolei wird man oft gefragt woher, wohin? Speziell fällt mir hier auf, dass mir als Frau die Hand zur Begrüssung gereicht wird und dies auch wenn Christian gerade beim Einkaufen ist. Mit neuen Lebensmitteln und einem aufgebesserten Bild über die Tuvinen fahren wir weiter. Beim Picknickplatz nur leicht ausserhalb des Dorfes essen wir wieder einmal Smetana mit Marmelade, was meine Stimmung zusätzlich verbessert.

Das leicht hügelige Tal des Flusses Kargy
Es ist noch kühl und regnerisch
Leider nicht sehr fruchtbare Fläche
Auch die weissen Berge zeigen sich langsam in den Wolken
Der Verkehr nimmt vor Murgur-Aksy leicht zu (von 0 auf wenig)
Es wird kräftig gebaut am Dorfeingang von Murgur-Aksy
Gespannt sind wir nun ob es mit dem Weiterkommen klappt, denn unsere Strasse führt schon bald in die Boarderzone für welche ein Permit notwendig ist. Dies haben wir zwar wie das Altai Permit beantragt, da wir aber keine E-Mail Adresse von Tuwa hatten an die zentrale Stelle des FSB gesendet und seit da nichts mehr gehört, auch nicht auf unsere Nachfrage, wo wir das Permit abholen können. Leider befindet sich der Kontrollpunkt für die Grenzzone nicht in der Ortschaft sondern erst etwa 23 km danach, kurz bevor die Strasse wieder über den Fluss Kargy führt. Die ersten Km führt die Strasse in leichter Steigung 300 Höhenmeter hoch um dann eine rasante Abfahrt mit schönem Blick in die Mongolei zu bieten. Der Schlagbaum des Kontrollpunktes ist besetzt, leider denken wir. Sogleich kommt ein freundlich grüssender Soldat auf uns zu und meint wir kommen sicher für die Permits, wir sollen ihm doch ins etwa 200 m entfernte Gebäude folgen. Christians erster Gedanke ist, ah sie stellen Permits on the spot aus, aber weit gefehlt. Der Beamte, welche in einer Schublade im Büro nach Papieren kramt, ist nicht auf der Suche nach Antragsformularen, sondern nach unseren Permits.  Denn diese liegen zu unserem grossen Erstaunen hier fertig Ausgefüllt und unterzeichnet bereit. Die russische Bürokratie scheint zu funktionieren und Beamte mitzudenken, denn es war nur anhand unserer angegebenen Reiseroute ersichtlich, dass wir wohl als erstes diesen Kontrollpunkt passieren. Ein riesiger Aufsteller für uns, wo doch der Tag mit Schuss nicht ideal begonnen hat, denn nun können wir unseren Weg wie vorgesehen fortsetzen ohne Angst vor Kontrollen zu haben. Auch beruhigend ist die Aussage von einem der Soldaten, nach dem wir ihm von unserem nächtlichen Erlebnis erzählen, dass uns dies hier in der Grenzzone nicht passieren sollte, denn sie hätten die Leute hier im Griff und machen regelmässig Kontrollfahrten. Interessant ist, dass keiner der Soldaten die wir sehen Tuwine ist, denn sie sehen allesamt russisch aus.

Bei Murgur-Aksy
Wachen über den Picknickplaz bei Murgur-Aksy
Die Sonne kommt
Blick in die Mongolei
Grassteppe noch vor der Boarderzone
Gestärkt durch den Stolz auf die erfolgreiche Permitbeantragung nehmen wir den nun folgenden Pass in Angriff. Die Strasse steigt schnell an, ist aber schön geführt mit Serpentinen wo notwendig und erträglicher und fahrbaren Steigung. Auch der Belag ist nur an wenigen Stellen weich und rutschig. Die Aussicht ist wunder schön auf die karge Landschaft mit dem Grün spendenden Kargy. Nach mehr als der Hälfte der Steigung öffnet  sich das Tal leicht, und es hat einen Hof, welcher zur Zeit nicht bewohnt ist, es aber wohl zu gewissen Zeiten im Jahr sicher ist, wahrscheinlich im Winter, denn es hat interessante, niedrige, runde, erdbedeckte Ställe. Da Christian viel Zeit für das Löschen von alten Fotos braucht, bin ich für einmal die erst, die den Pass Koge-Dawa erreicht. Muss sagen würde mir auch besser gefallen Fotos vom noch hochstrampelnden Christian zu schiessen als fast immer selbst dieses Motiv zu sein.
Auf der anderen Seite des Passes ist die Landschaft grüner, auf der ersten Wiese ist eine Yakherde am Weiden, Jurten sieht man aber noch keine. Leider ist das Wetter wieder schlechter geworden und es Nieselt leicht , die Abfahrt ist kühl und erfordert Aufmerksamkeit, denn immer wieder hat die Strasse Stellen mit losem Kies. Zeitweise verschwindet das Wasser im Bach des Tales und kommt erst wieder kurz vor dem, dass der Chemtschegejlig-Chem in ihn mündet, zum Vorschein. Am Taleingang des Chemtschegejlig-Chem finden wir einen guten Platz für die Nacht. Da wir unsicher sind ob es Bären hat, spielt Christian mal wieder Äffchen und hängt unser Essen auf. Die Turnerei wäre nicht notwendig gewesen, in der Gegend gibt es keine, wie uns der Kaffeebesitzer am nächsten Tag versichert.

Nochmals der Fluss Kargy
Blick beim Auftieg auf den Koge Dawa
Und weils so schön ist noch einmal
Alpsiedlung unterhalb des Passes - zur Zeit unbewohnt
Die Passhöhe des Koge Dawa ist erreicht
Blick auf die andere Seite runter
Grosse Yakherde unterhalb des Passes Koge
In einem Seitental liegt noch Schnee
Unser Zeltplatz unweit der Strasse auf einer alten Trassee



Mündung des Chemtschegejlig-Chem –  Nach dem Pass Kaltschai

Kurz bevor die Strasse eine 90 Grad Drehung macht und denn Bach Arzajty wieder hoch führt, stehen Jurten und zwei Kaffees. Im ersten sind sie noch am Vorbereiten, und wir werden gekonnt komplett ignoriert. Beim zweiten haben wir mehr Glück und bekommen Tee und der Besitzer setzt sich für einen kleinen Schwatz zu uns und erzählt von einem Spanier, der letztes Jahr mit einer Südkoreanerin hier wandern war. Auch wenige Lebensmittel kann man in seinem Kaffee kaufen. 

Kurz bevor die Strasse vom Pass das andere Tal hoch führt gibt es zwei Gaststätten
Gemächlich steigt die Strasse an im Tal des Baches Arzajty und zu Beginn stehen viele Jurten in Strassennähe. Im oberen Teil stehen dann wieder wunderschöne Blumenwiesen. Die Hügel sind hier runder und die Hänge eher flach, ob die Wiesen wohl für Heu gemäht werden? Am Strassenrand gibt es wieder wilde, Rhabarber, Dina kann natürlich nicht widerstehen und muss eine Portion sammeln. Hinter dem Pass Arzajty ändert die Landschaft nichts mehr ist mit saftigen Alpwiesen, dafür sieht man in die Mongolei, und es geht auf Lehmstrasse zuerst leicht bergab, so macht Fahrradfahren Spass. Hier gäbe es sogar auch ein Kaffee, aber dieses hat leider geschlossen. Mühsamer wegen Strasse mit Wellblech und losem Schotter wird es dann nach der Ortschaft Sagly, dafür wieder grüner. Auf dem Pass Kaltschai fühlt man sich wieder wie im Jura, wären da nicht die Obos. Da die Ebene auf der Karte nicht viel Deckung für einen Übernachtungsplatz bietet, nutzen wir die erste Gelegenheit, und fahren nach dem wir am ersten Bach den wir querten, Wassergefasst haben in den Wald. Wir haben Glück und finden eine schöne Lichtung. Besonders faszinierend sind hier die vielen verschiedenen Steinbrecherpflanzen die es hat, weniger faszinierend die obligaten Mücken.
Angenehm flach führt die Strasse wieder ein Tal hoch
Kurz unter dem Pass wird das Gras wieder höher und durchsetzt mit Blumen
Diese Raststätte hat leider nicht offen
Lehmpiste mit Rückenwind - Dinas Velowelt ist in Ordnung
Lange gerade Strecken
Wolkenspiel, aber der Regen erreicht uns nicht


Zwischenzeitlich ist es grüner
Der gerade Strich in die Ferne ist die Strasse
Wieder ein Blick Richtung Mongolei
Kleine Frau grosser Obo
Zum Abschluss des Tages gibt es wieder Wald
Der Zeltplatz ist gefunden - eine Waldlichtung




Nach dem Pass Kaltschai - Tschadan

Leider wird heute die Stasse bald mühsam zum velofahren, lockerer Schotter und Wellblech, auch die „Nebenstrassen“ sind nicht wirklich schöner zum fahren. So fühlt sich Dina müde und braucht lange ums sich wieder fürs Radfahren begeistern zu können. Das Baden und Waschen im Bach Schyrgaj-Ozej tut gut. Und auch die Strasse fährt sich nun wieder besser. Kurz danach hält ein grosser weisser Geländewagen, es ist Grenzmilitär die unsere Permits sehen wollen. Die haben wir ja zum Glück und so gehen sie schnell zu einem kurzen Schwatz über. Die Steigung des Passes vor dem man auf die Hauptstrasse kommt ist gnädig und oben hat es sogar ein Picknickunterstand für einen Rast. Nun ist der Teer nicht mehr weit und wir müssen uns definitiv entscheiden ob wir ihn bald wieder verlassen wollen und weiter der Grenze entlang fahren oder ihn nutzen und Richtung Tschadan fahren. Wir entscheiden uns für das zweite um auch noch was vom Inneren von Tuwa zu sehen. 
Leider zieht sich die Strasse und ist schlechter als sie aussieht zu fahren

Auch die Nebenpiste mag Dina nicht wirklich

Grösserer Hof

Kamen von der nahen Jurte angaloppiert

Strasse ist gerade gesperrt

Es geht runter zu der Teerstrasse

Die Strasse ist hier wieder richtig schön

Unweit der Teerstrasse, das schöne Holzhaus ist gerade in Bau
Chaidagajty lassen wir somit aus, da unsere Strasse davor in die Hauptstrasse mündet. Wir scheinen aber fast die einzigen zu sein, die aus ganz Tuva nicht dahin wollen, denn der Gegenverkehr ist stark, einige Autos sind mit Bändern geschmückt, da müssen wir wohl ein bedeutendes Fest verpassen. Der Anstieg zum Pass Chonbergej ist angehnem, stetig steigend, nicht zu stark und der schöne Tannenwald gibt Schatten. Oben gibt es mehrere Picknickplätze und einen grossen Schrein, viele Tuvinen machen wie wir auch einen Rast und gehen diesen Besuchen. Einer von ihnen drückt uns noch eine Telefonnummer in die Hand, er arbeitet beim Amt für besondere Angelegenheiten in Kysyl. Das Höheverlieren auf der anderen Passseite ist fast perfekt verteilt, die Strasse hat nur eine sanfte Neigung und führt durch grüne Alpwiesen und Tannenwald, kein Vergleich im Vorwärtskommen zu heute Morgen, so vergehen die Kilometer schnell.
Die Abendstimmung ist schön und so beschliessen wir bei Chondergej weiter in Richtung Tschadan zu fahren. Auch wenn auf unserer Karte nicht wirklich viele Häuser eingezeichnet sind, hat es immer welche Leute, zum Zelten bräuchten wir auch noch Wasser der Fluss welcher uns schon seit dem Pass begleitet ist aber hier weit verzweigt und schlecht zugänglich, so fahren wir bis ganz nach Tschadan. Nach kurzem Nachfragen finden wir im Stadtzentrum auch das örtliche Hotel, ein nicht unschmucker Backsteinbau, welchem die gepflegten Blumenbeete davor sogar einen Hauch von Luxus geben. Das Zimmer ist einfach, Duschen und WC auf dem Gang aber alles sauber, zweckmässig und für Russische Hotels auch nicht selbstverständlich auch stabil, dass man es anfassen kann, ohne das was kaputt geht. Mit der Restaurant suche sind wir leider nicht so erfolgreich, entweder haben sie geschlossene Gesellschaft oder geschlossen. Ein einfaches Menü bekommen wir dann in der elegant eingerichteten Bar im Keller des Hotels. Tschadan ist bei Tag eine friedlich, einigermassen gepflegt dreinschauende Stadt mit schönen alten Holzhäusern, durchaus als sehenswert zu bezeichnen. Von der Nacht (auf Samstag) kennen wir nur die Geräusche: Schüsse, brüllende Motoren, bellende Hunde und Polizeisirenen.

Noch nicht lange rollt es so gut

Passhöhe ist schnell erreicht

Würden eine Abwechslung geben zu unseren langweiligen Ortschilder

Schönes Abendlicht

Wolkenverzierte Berge hinter dem Flusstal entlang wessen wir fahren

Es hat schöne Häuser in Chaidagajty

Es hat schöne Häuser in Chaidagajty II

Mittwoch, 4. Juli 2012

Schöne Wege nach Tuva



Bis in der Nähe von Tarchata – erste Furt über den Buguzun

Der Morgen beginnt kühl und wolkenverhangen, doch erholt lässt sich die Strasse wesentlich besser ertragen und nach dem Militärposten (kontrollieren die Permits fürs Ukok-Grenzgebiet) wird sie besser. Fast Endlos scheint sich die Ebene nach Kosch-Agatsch zu ziehen, wir fahren in die richtige Richtung, und haben leichte Neigung und Rückenwind. An diesem Sonntagmorgen scheinen noch nicht viele wach zu sein, und so haben wir die Strasse für uns.
Kosch-Agatsch ist am wachsen, neue schöne Häuser stehen am Rand, mit Blick auf einen kleinen See, hier ist nun wesentlich mehr los, als erstes fahren wir in die Stadt auf Einkaufstour. Nach etwas Suchen, finden wir in einem Haus, wenig zurück versetzt, auch Brot. Das offene Restaurant ist einfach, aber Preis/Leistung stimmt durchaus, es gibt sogar Strom, und Christian, darf sein Fotoakku laden. Gesättigt versuchen wir doch noch Internet zu finden, und werden fündig, zwar nicht im neueren Gasthaus, vor dem Christian einen Herrn fragt, sondern bei dem Herrn selber. Dieser wohnt leicht ausserhalb, da er eh gleich über Mittag heim wollte, lädt er Christian kurzerhand ein und ich bleibe um ein Auge auf die Räder zu haben. Der Herr wohnt just in dem Haus, das Christian als eines der schönsten im Aussenquartier fotografierte. Christian darf das Internet bei ihnen nutzen und zeigt als Dank die Fotos der letzten Tage. Immer wieder schön diese Hilfsbereitschaft der Leute hier. Meine Wartezeit wird durch paar heftige Knalls gestört. Das Gasthaus ist am Müllverbrennen, darunter wahrscheinlich auch Spraydosen.

Es hängen noch Wolken über der Ebene

Wohl für die Bewässerung

Im Hintergurnd ist Kosch-Agatsch

Das Foto entstand bei der Stadteinfahrt, Christian war später fürs Internet wieder da
Bis Kokorja haben wir Teer Strasse, beim Abzweig dorthin steht, wie letztes Mal ein Grenzsoldat und kontrolliert die Papiere, unser Pass sowie das Altai Grenzpermit scheinen ihm zu passen. Das Gebiet zwischen Kosch-Agatsch und Kokorja wurde während des Kommunismus stark landwirtschaftlich genutzt. Die meisten Wasserkanäle sind nun zerfallen, und die wohl ehemaligen Kolchosengebäude sehen wie geschleift aus. Kokorja ist ein stattliches Dorf, wir können es nicht lassen auch den Laden auszuprobieren.

Der Friedhof zwischen Kosch-Agatsch und Kokorja

Blick Richtung Grenze zur Mongolei

Zu kommunistischen Zeiten wurde hier stark Landwirtschaft betrieben

Kokorja

Nur noch das Schild oder wirklich eine Haltestelle?

Schöne Holzrutsche in Kokorja
Hinter dem Dorf verunsichert uns die Strassenführung, wir fahren zuerst unter der Abfallgrube vorbei und müssen korrigieren so dass wir auf den Weg über der Abfallgrube kommen. Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit komplett in sonnig geändert, so dass es schon wieder warm ist. Der Weg führt vorerst noch nicht am Buguzun sondern durch die weite, trockene Talebene. Umso näher wir zum Fluss kommen umso lieblicher wird die Landschaft, mit grünen Wiesen und Tannen. Auch den Jurtenbesitzern scheint es hier zu gefallen, die schönsten Plätze sind schon besetzt. Bei der ersten Furt treffen wir einen von ihnen mit seiner Schafherde. Und fragen ob wir hier bleiben können – kein Problem. Er scheint die Abwechslung zu schätzen und setzt sich zu uns, später kommt auch noch ein Nachbar vorbei, der sein Kleinlaster übervoll mit Kleinholz beladen hat. 

Hinter Kokorja ist es zuerst recht trocken

Umso weiter wir ins Tal kommen umso grüner wird es

Der Fluss entlang welchem wir müssen ist erreicht

Dina darf aufs Pferd von unserem Jurtennachbar

Unser Zeltplatz mit Schafherde im Hintergrund

 Hinter Kokorja - bei der Brücke über den Mogen-Buren

Das Tal des Buguzun ist schön und es gibt auch immer wieder grün. Kurz vor der Furt bei der Mündung des Karagaj überholen uns zwei Jeeps. Wir treffen sie wieder an der Furt wo sie Teepause machen. Es sind Tuwinen, Händler ein Teil wie es scheint. Wir dürfen ihre Schätze betrachten, Altarschatule für in die Jurten, dekorative Steinböcke und eine kunstvolle goldene Haarnadel verziert mit vielen Hirschen (die gleiche werden wir im Museum in Kysil im Goldschatz wieder sehen).
Sie raten uns den Buguzun nicht zu überqueren sondern den steilen Weg auf die Terrasse hochzuschieben, der leider für die meisten Jeeps zu steil sei. Beim Hochschieben sind wir uns nicht mehr sicher ob es gut war ihrem Rat zu folgen, denn es ist wirklich steil, so dass ich sogar zum Schieben Christians Hilfe brauche, um nicht abladen zu müssen. Doch die Aussicht aufs Tal ist schön hier oben auf der Terrasse und die Strasse fährt sich auch meistens gut, wahrscheinlich besser als die andere Variante dem Fluss entlang, die wahrscheinlich zum Teil steinig ist, somit ziemlich sicher doch die bessere Variante.
Dort wo die Wege zusammenführen stehen nochmals Jurten, danach wird es einsamer, die Strasse steigt stärker, dafür hat es wieder mehr Blumen. Eine kurze Strecke ist sehr grob steinig und somit für uns nicht fahrbar, hier werden wir auch wieder von den Jeeps überholt. Auch sie hätten uns hoch mitgenommen. Doch die Strasse zum Pass Buguzun ist noch ganz angenehm, ich stosse nur ab und an, aber Christian fährt fast alles.
Die Strasse ist meist angenehm zu fahren

Schöne Hügellandschaft

Die einzelnen Bäume ziehen den Blick auf sich

Friedlich schlängelt der Bach

So ist Radfahren schön

Steinböcke

Für auf den Jurtenaltar

Rundgräber

Das Tal ist lang

Der Schlussanstieg ist nicht allzu steil

Der Obo und somit der Pass sind erreicht
Auf dem Pass gibt es Mittagessen und einen schönen Ausblick auf die andere Seite runter . 
Kurz nach dem Pass will das GPS nicht  richtig starten und scheint zu lange zu brauchen. Nach Ausschalten und Neustart sind plötzlich alle Wegpunkte und Tracks weg. Super, gerade wo es nun uneindeutige Wege gibt wären die Angaben sehr nützlich. Nur die Hintergrundkarte ist noch da, sie basiert auf der Generalstabskarte und ist daher etwas veraltet. Vom Pass geht es nun erst einmal sanft fallend in die Ebene. Wir orientieren uns jetzt an der Russenkarte und fahren auf ein Tal zu, welchem wir zum See folgen, welcher eine wichtige Landmarke ist und an dessen Ausfluss sich die Brücke befindet.
Dann gelangen wir an den Ozero Ak-Chol, blau glänzt er in der sonst eher an die Mongolei erinnernden, kargen Landschaft. Über ihn bläst ein kräftiger beständiger Wind, ideale Bedingungen zum Windsurfen, doch nur weit entfernt sind paar wenige weisse Flecken zu erkennen – Jurten.
Der Ausfluss des Sees kann auf einer guten Brücke gequert werden, danach führt die Strasse in südsüdöstlicher Richtung auf den Pass Punkt 2391 beim Berg Bur-Daz. Auf der anderen Seite geht es steil runter zum Fluss. Hier stehen wieder einige Jurten und Yaks sind am weiden. Wir sind uns unschlüssig, ob wir den Fluss direkt queren sollen, oder im eine kurze Strecke hoch folgen und die Brücke suchen. Wir entscheiden uns für die Brücke (direkt Furten wäre wahrscheinlich kürzer, und der tiefe Wasserstand hätte dies sicher zugelassen). Wir beschliessen fast gleich bei der Brücke zu übernachten. Für einmal will unser Feuer nicht brennen, Christian hatte zwar einen schönen Windschutz gebaut, doch der Wind drehte. Viel zu lange versuche ich es trotzdem, den kaum an eine besser windgeschützte Stelle gezügelt züngelt es.

Oben ist das Tal noch ziemlich grün

Fahrt in die Weite

Fussgängerbrücke

Leichte Hügel als Landmarken

See in Sicht
Über den Ausfluss des Sees hat es sogar eine stabile Brücke

Regenbogen - Zeltplatz

Bei der Brücke über den Mogen-Buren – am Kargy (ca. 30 km Luftlinie vor Mugur-Aksy)

In der Nacht habe ich das Gefühl Stimmen und Autotüren zu hören, bin mir aber nicht sicher ob Traum oder real. Als wir losfahren sehen wir, dass unweit von uns vier Männer in ihrem Jeep übernachtet haben. Sie kommen aus Kyzyl-Chaja und sind auf der Heimfahrt. Einer schläft noch im Auto. Das sumpfige Stück beim See Chinduktug-Chol sei dieses Jahr nicht schlimm, da es im Winter wenig Schnee hatte. Diese Aussage beruhigt uns, brauchten doch die, von welchen wir die Wegbeschreibung hatten, fast einen ganzen Tag dafür (mit dem Auto). Vorbei an mehreren Steingräbern geht es leicht steigend ins Tal zum Pass welcher zum Chinduktug-Chol führt. Die Höhe des Grases steigt wieder mit der Meereshöhe an und die Blumen nehmen zu. Nach links ausholend führt die Strasse angenehm flach auf den kleinen Pass. Leicht runter gefahren bietet die Strasse uns einen wunderschönen Blick auf den See Chinduktug-Chol, welcher unter uns blau schimmert, kein Motorengeräusch und keine Ferienüberbauung stört die Stimmung. Ein unglaublich friedliches Gefühl auf den See zu schauen, am liebsten möchte man ewig so sitzen bleiben.
Sie haben unweit von uns übernachtet

Wieder Gräber

Das Gras wird gegen den Pass zum See höher

Schön flache Steigung

Und dann der See..

Einfach beruhigend anzuschauen

Viele Blumen auch hier

In der Mitte ist eine Insel
Zuerst führt der Weg erhöht über den See weiter, dann geht es runter an den Strand. Da es trotz blauem Himmel noch relativ kühl ist, verzichten wir aufs Baden, das Wasser wäre aber schön klar, nur halt kühl. Nach dem Strand beginnt das Gebiet, welches je nach Schneelage im Winter und Regen mehr oder weniger sumpfig ist. Wir haben mit den Bedingungen sicher Glück, den die vielen z.T. sehr tiefen Fahrzeugspuren zeugen davon, dass hier schon oft der beste Weg zum durchkommen gesucht wurde. Wir versuchen der klarsten Spur zu folgen. Leider will das GPS seit gestern nicht, die selbst gezeichneten Tracks anzeigen, so fahren wir nach Karte und Gefühl, und halten uns eher hoch. Die Spuren welchen wir folgen, verschwinden immer mehr im Kniehohen Gebüsch, welches der Hauptbewuchs hier darstellt, zudem erschweren die herumliegenden Steinblöcke das Vorwärtskommen. Als wir merken, dass wir wohl nun doch eher zu hoch sind beginnen wir zum Pass rüber zu queren, stossen aber erst auf der anderen Seite des Baches, welcher vom Pass runter kommt ,auf deutlichere (aber nicht wirklich deutliche) Spuren. Dafür stösst oder besser gesagt tritt Dina fast auf ein Huhn, welches sich im Gebüsch versteckt, und dies während sie vorsichtig versucht einem anderen auszuweichen, welches Christian gerade gesichtet hat, und zu diesem klare Anweisungen gab es nicht zu erschrecken.
Das durch das Gebüsch stossen war anstrengend und brauchte Zeit, so sind wir froh, als wir fast auf dem Pass in klaren Autospuren auf diesen fahren können. Wir denken auf der anderen Seite sei der Weg sicherlich besser zu sehen. Doch gefehlt, oder besser gesagt zu sehen schon, aber dies vor allem wegen der anderen Art Büschen die auf ihm wächst. Doch zu unserem Glück führt durch sie eine Art Viehpfad. Vor nicht allzu langer Zeit muss sich auch ein Jeep durchs Gebüsch gedrängt haben. Doch die Hauptroute ist dies klar nicht. Die wäre weiter Links beim See, dort wo wir Spuren den Hang hoch sahen.
Im Tal des Baches Bestug-Kara-Sug angekommen, wissen wir nicht recht, wie wir weiter sollen. Der Viehpfad führt auf der rechten Seite den Hang entlang auf den nächsten Bergrücken hoch, die Fahrzeuge müssen wohl früher, leicht erhöht auf der linken Seite dem Bach entlang gefahren sein, doch dort ist nur mühsames Buschwerk zu sehen. Wir stossen den Pfad hoch. Die Vegetation ändert sich, es ist trockener und auf der anderen Seite befindet sich ein schöner Wald. Hier gibt es sogar einen Obo, zudem hat es komische Wühlspuren. Müssen wohl irgend welche Geologen gegraben haben. Durch den Wald hat es Fahrspuren, die bald zu einem deutlichen Weg übergehen, der uns ins Tal des Flusses Kargy führt, welchem man folgt um nach Murgur-Aksy zu kommen. Hier im Tal ist es nach der Einsamkeit ungewohnt bewohnt, mehrere Jurten stehen auf beiden Seiten des Flusses. Wir finden einen eigentlich schlecht einsichtigen Zeltplatz in Fluss Nähe. Um uns zu Waschen, geben wir diese aber leider auf, denn in knapper Sichtweite Weiden Herden, die sicher gehütet werden. So bekommen wir später auch Besuch von zwei Jungs auf ihren Pferden. Der ältere meint auf unsere Frage, ob es in Ordnung sei, wenn wir hier zelten nur, ja mit einem eher verächtlichen, der Platz sei aber etwas steinig.

Hmm ist das der Weg?

Gletscher

Die Farbnuance macht den Weg aus

Es sieht nicht so aus, aber auch hier gibt es einen Weg

An der Flanke zu erkennen, der Viehpfad den wir hoch aufs Plateau nahmen

So unbegangen ist dieser Weg wohl nicht, denn auch hier hat es einen Obo

An der Flanke wird der Wald dichter
Unser Zeltplatz unweit des Flusses