Freitag, 24. Juni 2011

Eilfahrt zur mongolischen Grenze


23.6. Verregneter morgen – Айгулак (Angulak)
Als wir am Morgen aufwachen sieht es schon regnerisch aus. Wir brechen dennoch auf und fahren im leichten Niesel die sehr schön geführte und gut fahrbare alte Passstrasse hoch ab und an drückt die Sonne durch. Auf der alten Passhöhe gibt es ein Altar und einen schönen Rastplatz mit wohl wunderschöner Aussicht ins Tal. Die alte Strasse würde auch auf die andere Seite runter führen. Da es aber wie aus Kübeln zu giessen beginnt, fahren wir zur neuen Passhöhe vor. Dort gibt’s ein kleines Restaurant und Verkaufsstände, die gerade aufgebaut werden. Da noch relativ früh, hat leider das Restaurant noch nicht offen. Wir können aber unterstehen. 
Die Sonne hat gerade überhand
Schön geführt - die alte Passstrasse
Die neue Passstrasse
Restaurant am Pass
Leider will der zuerst nach Gewitterregen aussehende Wolkenbruch nicht enden. Ab und an halten Touristen an, gehen meist zum Altar. Viel los ist nicht auf der Strasse. Warten im Regen ist langweilig, so fahren wir trotz Regen weiter. Leider ist nichts mit Nachlassen und auch die Bäume wo wir unterstehen halten nicht wirklich dicht. Wir fahren weiter und nach nochmals einer kurzen Regenschutzpause unter einer grossen Tanne, stoppt das Nass von oben.
Ein Bach schlängelt sich durchs Tal. Auf grüner Wiese stehen licht Nadelbäume. Ja, hätte wirklich jede Menge schöne Übernachtungsplätze. Ab und an steht auch ein Auto mit Zelt auf der Wiese.
Die Strasse wechselt den Fluss, und die Landschaft wird karger und dazu passend kommt auch die Sonne raus. Beim Mittagessen grosser Aufschrei von Dina, bei der einen Radtasche hat wohl der Verschluss geleckt, das Wasser steht in der Tasche, da diese unten dicht. Alles was unten war ist aufgeweicht. Die Auslegeordnung fürs Trocken gestaltet sich mühsam, da auch die Apotheke teilweise betroffen ist – nächstes mal diese wasserdicht einpacken!
Die Wolken verziehen sich langsam
Schönes Gefährt
Top Strasse
Mehr Hütten als Häuser
Schöne Bushaltestelle
Russischer Tourenbiker - war auch schon mit dem Rad unterwegs
Der Fluss sieht noch nach Regen aus
Die Sonne kommt
Oder doch nicht?
Schrein
Mit wieder einem Flusswechsel ins Tal der Чуя wird die Landschaft wieder grüner. Sogar ein Strassencafé fürs Nachtessen findet sich, einen offiziellen Zeltplatz hätte es auch daneben. Der Lagman, die Manti und die Kohlsuppe sind lecker. Gut genährt fahren wir noch einige Kilometer in den Abend. Am Айгулак  (Ajgulak) (Bach der in die Чуя fliesst) finden wir einen vermeintlich guten Schlafplatz.
Regenschutz in der Röhre
Regenbogen
Zeltplatz am Ajgulak

24.6. Wir wollen uns registrieren
Schüsse fallen; es ist etwa zwei Uhr in der Früh. Bum, Bum. Schlagartig sind wir wach, erster Gedanke Jäger, aber die Schüsse klangen sehr, sehr Nah. Erneut knallen Schüsse, wir haben das Gefühl das diese knapp über unser Zelt abgefeuert werden. Scheinwerfer flackern auf, sie scheinen auf unser Zelt zu zünden. Stimmen sind zu vernehmen und ein komischer Duft von Benzin, Alkohol und Rauch liegt in der Luft.
Was wollen die von uns. Mein Herz (Dinas) beginnt zu rasen. Christian zieht sich an und beschliesst sich bemerkbar zu machen, doch als er aus dem Zelt geht hört man nur noch Fahrzeugtüren und das wegfahrende Fahrzeug. Geschockt liegen wir im Zelt. Der Herzschlag hat sich noch kaum verlangsamt als wieder ein Auto hält und Stimmen zu hören sind. Da kurz nach dem sie weggefahren waren zwei andere Autos vorbei fuhren, nehmen wir an, dass sie Angst vor Beobachtern hatten und nun zurück gekommen sind zu uns, um fortzuführen was begonnen. Wieder das Licht von Scheinwerffern auf/über unser Zelt. Wir entscheiden aktiv zu werden, Christian packt Geld ein und geht aus dem Zelt.
Es ist aber nicht Geld was sie wollten (3 – 4 Männer) sondern einen Hirsch schiessen, der knapp über unserem Zelt gestanden ist. Nach kurzem Gespräch fahren sie wieder fort. Ganz glauben wir das mit dem Hirsch noch nicht, vielleicht wollten sie uns auch einfach Angst einjagen. Nach einiger Zeit kommen sie aber erneut zurück und suchen den Hang nochmals zu Fuss nach dem womöglich getroffenen Hirsch ab. Waren wohl wirklich Jäger.
Mein Herz (Dinas) klopft am Morgen noch schneller und ich habe immer noch den Geruch in der Nase.
Trotz diesem Schock fahren wir zügig los, denn wir wollen wenn möglich, vor 11 Uhr in Акташ sein, wo man sich, nach unser Meinung, registrieren kann. 
Verschiedene Verkehrsteilnehmer
Wir fahren gut vor 11 Uhr bei der Polizei vor. Doch nein, Registrierung vornehmen können sie nicht. Nach dem der Polizist am Anfang nicht sehr kommunikativ wirkte, wird er immer offener und hilfsbereiter. Er ruft an irgend einer Stelle an um sich zu erkundigen und zeigt uns schlussendlich den Weg zur Post im Ort. Doch die Dame in der Post kann uns auch nicht wirklich weiterhelfen, den sie kann zwar registrieren aber das dauert der Tage. Wir konsultieren nochmals den Lonely Planet und merken, dass es gar nicht Акташ ist wo eine Registrierung möglich sein soll. So beschliessen wir uns eine Fahrgelegenheit nach Кош-Агач zu suchen, und stoppend während wir in die Richtung fahren passend aussehende Fahrzeuge. Mitnehmen tun uns zwei Männer mit einem etwa sechs jährigen Mädchen. Die Räder finden voll bepackt gut Platz auf der Ladefläche des Minilasters. Sie fahren zwar nur bis nach Курай, aber das bringt uns schon mal was. Die Gegend ist wunderschön, hin und her fliesst die Чуя durch Auenwald. Eigentlich schade im Auto zu sitzen. Unser Taxi fährt dann doch noch etwas weiter als das Dorf zu einem Ovoo.

Wir durften mitfahren
Tschuja - Schöne Flusslandschaft
Auch die Nebentäler sehen einladend aus
Der Wald gibt grüne Farbtupfer
Und die Erde z.T. rote
Von dort geht’s mit schön kräftigem Rückenwind Richtung Кош-Агач (Kosch-Agatsch). Hey, was ist das da vorne? Zwei Tourenradler. Im Gespräch stellt sich schnell heraus, dass dies das Kiwi Pärchen ist, von welchem Christian schon im Lonely Planet Blog gelesen hatte, dass sie wohl zu ähnlicher Zeit wie wir im Altai und Mongolei unterwegs sein werden. Aber irgendwie fahren sie in die falsche Richtung (nicht wegen dem Gegenwind). Nein, sie machen nur einen kleinen Ausflug. Sie waren schon im Grenzdorf für ein paar Tage. Da sie auf eine neue Felge, die nach Ölgi gesendet wird warten und das Mongolei Visum eher knapp bemessen ist, warten sie in Russland. Die alte Felge hat innen Risse bekommen und die Pisten in der Mongolei wollen sieh ihr nicht mehr zumuten.
Schnell ist danach der russische Grenzort erreicht. Und nach paar mal nachfragen ist auch die Registrierungsbehörde gefunden. Registrieren sollen wir erst nach der erneuten Einreise nach Russland. Wenn wir weniger als die sieben Arbeitstage in Russland wären, sei keine Registrierung notwendig, meint die Dame. So geht’s zum Einkaufen, denn so reichhaltig wie hier wird das Angebot vorerst nicht mehr sein. Wie schon durch Wolken und den starken Wind angekündigt, setzt Regen ein, welchen wir aber angenehm in einem Café beim Essen abwarten können. Wir sind noch am werweisen, wie wir morgen Samstag den Grenzübertritt machen wollen. Gemäss unseren Informationen ist der Grenzübertritt fahrradfahrend nicht erlaubt. Wohl weil es zwischen der Russischen und Mongolischen Grenzstation 25 km zu bewältigen sind mit einigen Höhenmetern. Dies trauen sie wohl Radfahrer nicht zu. Runter von der Mongolischen Seite ist aber gemäss den anderen Schweizern Radlern, die wir trafen, möglich. Die Cafébesitzerin bekommt mit, dass wir einen Transport über die Mongolische Grenze suchen. Die 1500 Rubel für ein Taxi findet sie sehr übertrieben und empfiehlt uns zu einer örtlichen Behörde zu gehen und dort um eine Erlaubnis für einen Übertritt mit Rad zu bitten. Der Mann bei der Behörde weiss nicht wirklich Bescheid, findet aber, dass dies doch sicherlich erlaubt sein müsste, da ja alles bis zur wirklichen Russischen Grenze geteert sei. Schriftlich geben will er es aber partout nicht, dazu fühlt er sich nicht befähigt.
Wir fahren wieder einmal noch einwenig in den Abend um morgen früh bei der Grenze zu sein. Es herrscht eindrückliche Abendstimmung mit tief hängenden Wolken. Die Strasse führt über die weite Ebene Richtung ferne Berge einfach geradeaus. Vor Blicken geschützter Schlafplatz zu finden ist schwierig. Wir stellen unser Zelt in einer Grube unweit der Strasse auf, scheint ein Wodkafriedhof zu sein.

Kosch-Agatsch I
Kosch-Agatsch II
In echt war die Abendstimmung noch viel schöner

Mittwoch, 22. Juni 2011

Off the beaten track - dem Katun entlang nach Ongudai

21.6. Dem Катунъ (Katun) entlang zur Hängebrücke
Der Tag beginnt, wie die Nacht schon war, mit Regen. Wir nutzen eine kurze Regenpause um unser Zelt halbwegs trocken abzubauen und radeln los. Zuerst geht’s auf guter Strecke weiter dem Tal entlang. Ende der gut fahrbaren Strasse hat es nochmals einen schönen hölzernen Unterstand. Dieser kommt uns gelegen, da der zunimmt. Als dieser nicht nachlässt machen wir uns auf zu unserem ersten Abstecher jenseits der komplett ausgetrampelten Pfade. Im Google earth hatten wir gesehen, dass es hier möglich sein sollte am Katun entlang bis zu einer Hängebrücke zu kommen. Auf den Fotos im Panoramico waren sogar Radfahrer (zwar teils schiebend) zu sehen.
Überdachter Picknick-Platz
Die Strasse ist noch gut, nur zum Teil schlammig
Der neu entstehende Weg geht besser
Am Anfang ist der Pfad noch gut ausgetreten durch Pferde, aber nicht sehr breit, so dass wir durch das hohe Grass schnell nasse Hosen haben. Schon bald gibt es auch steinige Passagen, bei denen wir schieben müssen, aber der Pfad ist weiter gut zu sehen. Das Wetter ist leider nach wie vor wechselhaft, so dass wir ab und an Regenkleidung anziehen müssen. Wenn es steiler vom Fluss weg hoch geht muss oft geschoben werden. An einer Stelle geht es relativ weit weg und danach über Wiesen wieder Richtung Fluss. Bislang haben uns Pferdeäpfel immer frohen Mutes gestimmt, und waren uns Wegweiser.
Fahrbarer Pferdepfad

Flusslandschaft Katun I

Flusslandschaft Katun II
Flusslandschaft Katun III - Der Weg ist nur noch schwach erkennbar

Leider tröpfelt es
Schön zuzweit zu sein
Kurze Tragepassage...

... und dann wieder fahren
Nach einer längeren Abfahrt kommen wir wieder zum Flussufer. Hier ist der Weiterweg zunächst unklar, aber der Pfad scheint in den Wald am Ufer zu führen. Da es gerade wieder losregnet, beschliessen wir unter einer schützenden Kiefer Mittag zu machen. (Bei einer Trageaktion bemerkte Christian ein beängstigend loses Hinterrad an Dinas Velo, der Defekt entpuppt sich aber als loser Schnellspanner und ist rasch behoben).
Nach dem Mittag müssen wir durch dichten Wald über einen Felsen. Dina stellt schon einmal fest, dass hier keine Pferde durchkommen. Es ist aber immer noch etwas, wie eine Wegspur auszumachen. Allerdings folgt nun die nächste Stelle, wo nicht einmal mehr Tragen reicht. Gepäck und Rad müssen separat über eine Steilstufe gereicht werden, und dann einige 100 m weit getragen werden. Danach geht’s wieder runter zum Fluss. Dort hören die Wegspuren dann fast vollends auf. Wir sehen, dass es nach einen gewissen steilen Uferstück dann wieder au einer Wiese weitergeht. Daher wollen wir das weglose Stück machen, aber ganz sicher bei der Sache sind wir nicht. Immerhin geben die gesehenen Radlerbilder ein gewisses Vertrauen. Zuerst nehmen wir also Rucksack und Taschen und kämpfen uns regelrecht durchs Dickich und über Felsen. Vereinzelt gibt es Pfadspuren oder Wildwechsel, an einer Stelle muss eine 2 m Stufe überklettert werden. Nach 30 min. sind wir wieder im wegsamen Bereich und kehren zu den Räder um. Diese werden durch das hohe Dickich am Besten am Rücken hochgestemmt getragen.
Fahrrad mit Aussicht

Dinas Velo lernt klettern

und Dina Rad durch Büsche tragen - Wo ist nur der Pfad?
Im wiesigen Gelände treffen wir dann schon kurz später wieder auf Pferdeäpfel und bald auch auf ausgetretene Pfade, wo teils sogar im Sattel sitzen möglich ist. Viele der Pfade führen aber einfach zum Flussufer zum tränken. Wir versuchen daher einwenig Höhe zu gewinnen. Auf einmal treffen wir auf einen richtig guten Pfad, der auf einer kleinen Terrasse angelegt ist. Dies muss eine geschobene Piste gewesen sein, die schon lange verfallen ist. Von der Trasse ist nur noch eine Pfadbreite übrig, den Rest hatte sich schon der Hang zurückgenommen.
Hier war dann für kurze Zeit an Rad fahren zu denken. Schöne grosse Wiesen übrigens aber kein Weidevieh und keine Anzeichen von Besiedelung. Der Weg führt leicht aufwärts in den Wald, in dem er an einem Gatter endet. Das Gatter sieht noch recht neu aus. Dahinter geht es auf einem Pferdepfad weiter durch den Wald, bis wir das nächste Wiesengrundstück erreichen, welches auf der Karte als Terrasse erkennbar war. Hier gibt’s verschieden Wege, der gewählte geht gut vorwärts.
Wir hatten den ganzen Tag kein Boot auf dem Fluss gesehen, wogegen gestern paar Kajaker zu sehen waren und auch ein Schlauchboot, war denen wohl zu regnerisch.

Der Pfad, im Gras nicht immer leicht zu erkennen, umgeht geschickt einige Hindernisse (Felsbastionen). Doch Am Ende der grasigen Terrasse wartet noch eine Felsbastion, die nicht einfach zu umgehen scheint. Doch der Weg hat wieder einmal eine Überraschung zu bieten. Hier wurde einmal ein breiter Weg in den Fels gesprengt und so führt der Weg über das Hindernis hinweg. Auf dem gesprengten Abschnitt befindet sich ein ganz neues Gatter. Nun folgt noch ein schweisstreibender Abschnitt, steil den Berg hinauf bis ein grasiger Hang erreicht wird. In einiger Entfernung sieht man wieder die alte Trasse zu der auch unser Weg führt. Nun kann man wieder fast alles Rad fahren. Es folgt nochmals eine Bachquerung, eine solche hatten wir auch schon auf dem grasigen Abschnitt vor der gesprengten Trasse. 
Wolkenspiel über den Hügeln
Da fährt es sich gut, klar erkennbar ehemals geschobene Strasse
Raupe als Unterhaltung beim Schuheanziehen nach Bachquerung
Mit dem Pferd wäre es hier auch schön


Das Gatter
Durch den Wald geht es weiter bis wir eine Wiese erreichen. Dort treffen wir zum ersten Mal auf Tiere, eine Menge Kühe sind am grasen. Im Hintergrund steht eine Hütte, welche wohl bewohnt ist, Rauch steigt aus dem Kamin und drei gesattelte Pferde stehen davor. Unser Weg führt auf die Hütte zu, obwohl wir eigentlich in eine andere Richtung müssen. Wir ändern die Richtung aber schnell, als die Hunde her gerannt kommen, die haben wohl auch die Bewohner auf uns aufmerksam gemacht, die nun herausgekommen sind. 
Einziges Farmhaus auf unserer heutigen Strecke
Unser Weg ist wieder gefunden und es geht flussauf unserem Ziel der Hängebrücke zu. In einer Abfahrt passiert dann das grosse Malheur: Ein Ast gerät an das Schaltwerk von Christian, auch wenn er gleich anhält, ist das Schaltwerk in die Speichen gekommen und von diesen mitgenommen worden, es sieht ziemlich krumm aus. Schnell wird das Schaltwerk befreit, aber oh weh, das Schaltauge ist extrem verbogen und ob das Schaltwerk noch ordentlich arbeitet ist fraglich. Als Spontanaktion wird stark am Schaltwerk gezogen und es als Hebel eingesetzt um das Schaltauge wieder etwas gerader zu bekommen. Als das Effekt zeigt wird weiter daran gerissen. Das Schaltauge bleibt zwar verbogen aber nicht so stark wie zuvor. Beim Testen des Rads macht sich ein Schleifen an den Bremsen bemerkbar, die Speichen werden wohl auch in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Schnell noch zentriert und weiter geht es. Die Sorgen wachsen aber eher, ob ein schräges Schaltauge und ein angeknackstes Schaltwerk gut für mongolische Pisten sind? Weiter geht es in den Abend hinein. Wir wollen einen Schlafplatz suchen, am besten mit Trinkwasser.
Ein kleines Gerinnsel schlagen wir trotz bedrohenden schwarzen Regenwolken aus, weil Christian meint es käme noch ein schönerer Bach. Aber dieser kommt und kommt nicht, so dass wir schliesslich doch bis zur Hängebrücke durchfahren, wo wir im beginnenden Platzregen das Zelt aufbauen. Das Gerinnsel vorher war wohl doch schon der eingezeichnete Bach in der Karte. Nun muss halt Wasser aus dem Kartun herhalten. Wir finden eine Stelle, von der man gut an den Fluss kommt und Christian filtert das trübe Wasser. Schon das nächste Malheur, nach dem Filtern sind noch Teilchen im Wasser. Der gebraucht gekaufte Katadynfilter ist wohl defekt. Christian testet den Filter auf Dichtigkeit, indem er hinein bläst und siehe da, an der Filterkerze unten zwischen Keramik und Abschlussblech zischt es heraus. Dort kann das ungefilterte Wasser durchdringen. Schlechte Nachrichten für die Mongolei, wo wir von teils schlechter Wasserqualität ausgehen. Nach dem Abendessen, wird das Essen noch halbwegs bärensicher an einer langen Stange aufgehängt (Überrest von Zäunen). Wir sind gespannt, wie wir von der Hängbrücke wieder zur Hauptstrasse kommen werden. Wir haben morgen zwei Varianten, eine relativ sichere, schweisstreibende über einen hohen Pass und eine relativ unsichere einen grossen Nebenfluss des Katun entlang, dem Ursul, mit einer potentiell schwierigen Flussquerung.

22.6.2011 bis zur alten Passstrasse hinter Ongudai
Zeltplatz bei der Hängebrücke
In der Nacht regnet es noch weiter, aber am Morgen klart es auf. Wir packen unsere Sachen und gehen über die stattliche Hängebrücke, welche schon bessere Zeiten gesehen hat, aber die immer noch sicher und zwei Meter breit über den Fluss führt und wohl auch Kühe und Rösser darüber können.
Aufgang zur Hängebrücke über den Katun
Zum Teil geflickt aber noch in gutem Zustand

Blick von der Brücke
Auf der anderen Seite hat es in der Tat einen Fahrweg. Wir müssen uns nun für eine der beiden Varianten entscheiden. Entweder rechts und dann einen Fahrweg über einen recht hohen Pass, oder links, allerdings sollte dann der Fahrweg aufhören und das Vorankommen ist ungewiss, zudem noch eine Flussquerung ziemlich sicher nötig ist. Wir erhoffen uns Auskünfte von einem der Gehöfte in der Nähe, welche die Karte zeigt. Entscheiden uns dann aber doch spontan für die sichere Variante und fahren nach rechts, dort soll ja auch noch ein kleiner Weiler kommen, nach dem der Pass benannt ist. Auf dem Fahrweg lässt es sich richtig gut rollen. Doch bald einem Flüsschen entlang in die Höhe. Die Häuser an welchen wir vorbei kommen sind unbewohnt und eine sind wohl dauerhaft verlassen und dem Verfall preisgegeben. Wir fahren also das grüne Tal weiter hinauf. An einem Gehöft werden wir noch von Hunden angebellt und gestellt. Aber keine Menschenseele lässt sich blicken, auch wenn hier Pferde grasen.
Es geht weiter
Verlassene Stallungen
Kleines Bauernhaus im Tal zum Pass
Die Weisen verschwinden langsam und es wird waldiger. Der Fahrweg wurde erst vor kurzem befahren. Es hat noch frische Spuren, die teils eigenartig sind, da es den Anschein hat, dass im Reifenprofil noch Querbleche enthalten sind. An einigen Stellen geht es durch tiefen Matsch, hier müssen wir schieben, sonst ist der Weg relativ gut und meistens nicht zu steil. Es ist ein erstaunlich langgezogenes Tal. Wir müssen mehrfach den Bach queren.
Die Blumen blühen wunderschön. Da wir einiges an Höhe gewinnen müssen, zieht sich der Weg. Weiter oben treffen wir auf zwei Reiter, die uns entgegenkommen und paar wenige Pferde treiben. Sie geben uns noch die ungefähre Zeit bis Ondugai an und reiten von dannen. Kurz darauf beginnt es einmal mehr zu giessen. Christian kann sich noch unter eine Lärche retten, während Dina noch ein längeres baumloses Stück radeln muss. Christian hat erst gestern gelernt, wie gut Lerchen vor Regen schützen.
Es wird waldiger...
... und nässer
Entgegenkommende Pferdeherde




Mittagessen

Die letzten 300 Hm müssen wir fast alles schieben, da es zu steil ist. Von der Passhöhe sehen wir die ersten schneebedeckten Berge. Am Pass hat es sogar ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, den Müll nicht in die Landschaft zu schmeissen. Der Pass muss wohl früher touristischer gewesen sein.
Der Schlussanstieg ist steil
Weidewiese
Bald geschafft
Blau, Orange und Grün
Was bin ich für eine Blume?


Und Dina kommt auch
Der Pass ist erreicht

Die Abfahrt ist dann ein Riesenspass, da die Strasse in deutlich besserem Zustand ist und oben zwischen zwei Trassen gewählt werden kann, steinig und flach oder steil und gut rollend. Nur einmal wählen wir die steinige Trasse, um einer grossen Pferdeherde auszuweichen. Unten rollt es dann richtig gut raus. 
Sicht zu den weissen Bergen

Schöner, lichter Wald

Pferdeherde nahe vom Pass
Hof in der Ebene
Noch ein Hof in der Ebene

Die Ongudaj ist nicht mehr weit

In Онгудай (Ongudaj) angekommen, erkundigen wir uns erst mal nach einem Laden mit Radteilen. Ein netter Russe führt uns zum Basar, wo Christian in einem Laden fündig wird. Der hat natürlich alles mögliche, aber auch einfache Radteile. Um in der Mongolei nicht ohne Schaltwerk dazustehen nimmt Christian das vorhandene Schaltwerk. So eines hatte er schon einmal an sein Koga geschraubt, das billigste Shimano Schaltwerk.
Zufrieden gehen wir ins Shopping-Paradies. Ein grosser Laden hat super Auswahl, unter anderem auch Müesli. Nach dem Einkauf treffen wir noch auf andere Radfahrer. Von der Ferne betrachtet würde man sie nicht für Schweizer halten, aber es sind zwei und eine Japanerin. Sie haben eine einfache Tasche auf dem Gepäckträger geschnallt und sehen so eher nach 3. Welt-Reisenden aus. Sie hatten ihre Räder vor Ort besorgt. Einer in Ulan Bator, die anderen in Vietnam. Entsprechend oft waren Reparaturen nötig. In Онгудай hatten sie erfolglos Vorderachse gesucht. Dafür hatten sie interessante Flaschenhalter aus Kleiderständern gefertigt, die richtig gut und stabil aussehen. Da wir die ersten Radreisenden sind, die sie seit der Mongolei treffen, bekommen wir von ihnen einen guten Strassenatlas der Mongolei geschenkt, merci. Wir können uns leider nicht revanchieren, da wir erst gestartet sind. Wir werden noch mit Infos von der Mongolei versorgt. Die Strecke Ulangom – Morön sollte man besser gleich mit dem Taxi machen, die LkW-Fahrer können böse werden (Flussquerung am Achit Nur). Wo’s hin geht wissen sie noch nicht, Schweiz oder Japan.
Wir verabschieden uns herzlich. Bei der Fahrt aus dem Dorf kommen wir noch an einer Post vorbei. Bei dieser funktioniert das Internet, so dass wir noch kurz Meldung machen. 

Eine Art des russischen Baustils
Spielplatz und Wohnhäuser
Die Post - eine andere Art des russischen Baustils

Gut versorgt geht es aus dem Dorf raus. Bei leichtem Gegenwind wieder auf der Hauptstrasse rollt sich es gut. An einem Bach machen wir Halt um die Räder vom Schlamm zu befreien.
Weiter auf der Hauptstrasse, sehen wir genau in den Talabschnitt wo wir mit der anderen Variante heraus gekommen wären, eine riesige Baustelle. Es sieht fast so aus, als ob da eine Strasse ins Tal gehauen wurde. Da wären wir also ziemlich überrascht gewesen, wenn wir unerwartet aus der Einsamkeit auf die Grossbaustelle gestossen wären.

Teer in Sicht
Was wird hier gebaut?
Besser als ich im Bachqueren
Schöner Bach



Die Strasse führt nun einem sich schön zwischen Bäumen schlängelnden Bach entlang ins Tal des nächsten Passes. Plötzlich kommt starker Wind auf, der es fast unmöglich macht vorwärts zu kommen, auch wenn es nur die nächsten paar hundert Meter zum vom Regen schützenden Baum sind. Schon prasselt es los. Aber der Regen kann nicht mit der Stärke des Windes mithalten und schon bald ist der Spuck vorbei. Da nun doch schon später ist und sich Müdigkeit bei Dina breit macht, geht’s doch schon vor dem Pass auf Schlafplatzsuche, da hilft es auch nichts mehr, dass hinter dem Pass schöne Zeltplätze versprochen wurden. Auf der Suche entdecken wir die alte Passstrasse, die rechts von der neuen Strasse weg geht, bevor die eigentliche Steigung beginnt. Alte Meilensteine lassen sie als diese erkennen und von einem normalen Feldweg unterscheiden. Wir fahren noch ein wenig hoch, und schlagen unser Zelt am Strassenrand in einer wunderschönen Blumenwiese auf. Sogar Orchideen gibt es. Schon bald beginnt es einzunachten. Die Geräuschekulisse ändert. Da, ein Brunstschrei aus dem nahen Wald, Antwort kommt von der anderen Talseite, gemischt darunter das Sausen der Autos der Passstrasse. Und was ist das für ein Schrei oder Brüllen gleich neben unserem Zelt? Dinas erster Gedanke – brünstiger Hirsch. Aber irgendwie scheint es wie jeweils übers Zelt zu sausen. Immer wieder der ungewohnte Schrei: Vogel, Hirsch oder Bär – was ist es? Dina versucht es mit Hundegebell, aber dies scheint keinen Eindruck zu machen. Christian geht nachschauen im schon fast Dunkeln, doch nichts zu sehen, und auch kein Rascheln. Und dennoch folgt noch einige Male das ungewohnte Geräusch. Wir beschliessen es zu ignorieren und schlafen ein.