Freitag, 15. Juli 2011

Es wird warm (auf der Teerstrasse)


13.7.
Da wir den Abzweiger nach Бугат (Bugat) vor Булган (Bulgan) nicht finden (oder währe es der nach Wanderweg aussehende Trampelpfad gewesen) entschliessen wir uns doch nicht ins Selenge Tal zu fahren. Zumal wir eh noch nicht wussten ob wir nicht von Bugat doch weiter nach Эрденет (Erdenet) sollten, da unsere eingerechnete Zeit für die Mongolei langsam zu Ende geht und wir zudem um ängstliche Eltern zu hause zu vermeiden uns unbedingt mal daheim melden müssten und Geld wollten wir ja eigentlich auch noch. 

Idyllischer Bach
Wiedermal schöne Wolkenbilder
Diese beiden Sachen erhofften wir uns nun in Bulgan erledigen zu können. Wir schätzten die Chance dazu gut ein, denn die Stadt war wirklich so gross wie wir dachten. Banken gab es auch, nur die wahren ebenfalls geschlossen und die zwei Geldautomaten die wir fanden, wollten obwohl jeweils Visa darauf stand uns kein Geld geben, irgend ein Problem mit der Verbindung. Mit Internet sah es auch nicht besser aus, das offizielle hatte zu, und die Orte zu welchen wir nach Fragen geschickt und an einen auch von einem Mädchen geführt werden, haben gar keines. Dafür gibt’s unseren ersten grossen Supermarkt in der Mongolei. Um Fleisch einzukaufen muss es aber auch hier nicht unbedingt der Supermarkt sein, unweit der Stadt treffen wir Autofahrer die zwei Schafe zum Essen direkt von einer weidenden Herde kaufen.
Es ist warm und der Teer macht es noch wärmer, zum Mittagessen finden wir zum Glück auf einem der Pässe schattenspendende Tannen.
Auf dem Pass vor Эрденет (Erdenet) kommen uns wieder mal Radfahrer entgegen, doch es sind keine Tourenfahrer, sondern Jungs von der Stadt die einen gemeinsamen Radausflug machen.

Einheimischer Rennradfahrer
Erdenet ist überraschend bunt, viele farbige Dächer decken die Wohnhäuser. Die Innenstadt ist modern und lebendig. Die Frauen sind schön gepflegt bis aufgetakelt und ich komme mir mit meiner nicht sehr eleganten und edlen Kleidung schon ziemlich underdressed vor. Hier scheint es alles zu geben (sogar Internet und Geld ausspeienden Geldautomaten). Die Stadt ist noch nicht sehr alt und stark russisch geprägt. Lange zeit war sie nicht, oder falsch auf den Karten eingezeichnet, da es sich um eine der bedeutendsten Mienen in der Mongolei handelt, die mit zuerst vor allem unter russischer Leitung betrieben wurde. Christian geniest es mal wieder richtig ausgiebig Mail schreiben und News abrufen zu können, und ich nutze es in der Warte- und Velobewachzeit endlich mal wieder zum Lesen zu kommen.
Schon im Abendlicht fahren wir wieder aus der Stadt. Am Bahnhof, der leicht ausserhalb der Stadt liegt, steht gerade der Abendzug bereit. Kurz überlegen wir uns spontan mitzufahren, können uns aber nicht wirklich dazu entschliessen, zumal wir auch das Gefühl haben, dass er ziemlich umgehend abfährt, da viele Leute schon zu ihren Wagons rennen. Doch als wir weiterfahren steht er immer noch, und überholt uns erst später, hätte somit gut gereicht um Tickets zu kaufen und die Mongolische Eisenbahn von innen kennenzulernen.
Gerade als die Bahn vorbei fährt, passieren wir Leute, die am aus Wasserlöchern am Wasserschöpfen sind. Wir gehen bei ihnen vorbei und auch unsere Flaschen werden mit dem kühlen, klaren Nass gefüllt. Unser Nachtplatz liegt zwar an einem Bachbett, aber der Bach ist zur Zeit nicht zu hause, der Platz ist aber dennoch sehr schön, und die Feuerstelle zeigt, dass wir nicht die ersten sind die diesen Platz geniessen.

Erdenet
Der Stadtplan

Der Bahnhof ist leicht ausserhalb

Wasserlöcher

Unser Zeltplatz unweit der Strasse
14.7.
Wir fahren bezeiten los, um in der wirklich heissen Zeit auch eine längere Pause einlegen zu können. An Жаргалант (Jargalant) das nicht direkt an der Strasse liegt fahren wir vorbei. Hier in der Gegend sehen wir die ersten richtigen Felder in der Mongolei. Es wird somit schon noch ein anderes Lebensmittel als Milch und Fleisch produziert.
Es wird schon warm, als wir den ersten Pass hoch fahren, aber die Teerstrasse fährt sich dafür gut, erst recht die andere Seite runter, mit leichtem Rückenwind und schwacher Neigung. Auch hier hat es Felder, aber es ist nicht so richtig klar ob sie vergraset sind, oder ob dies angepflanzte Frucht ist.

Ungewohnt wieder Felder zu sehen

Immer schön auf einem Pass zu sein

Blick in die Weite

In Баруунбурэн (Baruunbüren) wird eingekauft, doch die Ortschaft ist wesentlich kleiner als von uns eingeschätzt. Im Hauptteil hätte es eigentlich mindestens drei Lebensmittelläden, doch die sind alle geschlossen, obwohl noch nicht Mittag oder so ist. Ein wenig ausserhalb Richtung Strasse finde ich dann doch noch einen Laden. Christian hat mich für einmal kurz alleine gelassen, da er noch in der Autowerkstatt war um seinen Konus mit einem zweiten Schlüssel nachzustellen. Die Werkstatt hatte den gewollten Schlüssel zwar nicht, aber ein Autofahrer mit gutem Werkzeugkasten, der auch in der Werkstat war konnte aushelfen.
Die Auswahl im einzigen offenen Laden war zwar nicht riesig, aber durchaus genügend, und die Bedienung war wieder mal sehr freundlich, auch wenn wir uns ja nicht richtig verständigen konnten. Hinter der Theke lag auch ein Englischübungsheft rum, aber der Junge dem es gehörte, zog es vor nicht Englisch zu sprechen. Es geht weiter Richtung nächstem Pass, sehr grosse Steigung gibt es hier zwar nicht zu überwinden, aber die Wärme macht trotzdem Müde. Mittag machen wir kurz vor dem Pass in einer Entwässerungsröhre der Strasse, einzigen Platz mit Schatten weit und breit und aus der Röhre kommt noch leicht kühle Luft. Zum Essen gibt es zum wiederholten unter anderem Salat aus dem Glas, schmeckt uns eigentlich ganz gut, und ist oft neben Dosen einziges Gemüse, dass es zu kaufen gibt.
Auf der anderen Seite des kleinen Passes geht es zuerst mit Landwirtschaftland weiter, danach wechselt die Landschaft und es wird wieder trocken. Im Frühjahr muss es hier wohl aber keine Rinnsale geben, den in Senken und Rillen stehen einsame kleine Bäume und Büsche, schöne Kontraste von sandbraun und Grün. Obwohl es eigentlich dem Орхон гол (Orkon Gol) entlang runter geht, führt die Strasse nochmals hoch, da sich der Fluss hier durch einen Hügelzug hindurchquetscht. Wieder beim Fluss, überquert die Strasse diesen. Hier bei der Brücke gibt es auch ein Restaurant und mehrere kleine Läden sowie Fischstände. Da es immer noch heiss ist fahren wir runter an den Fluss. Christian geht kurz schwimmen, da wir nicht die einzigen sind, und ich nicht weiss, was die Mongolen davon halten, wenn ich mit meinem Sport BH und Unterhosen rummarschiere, lasse ichs baden bleiben, denn bis anhin konnte ich noch keine badenden Frauen beobachten. Aber auch der Schatten der Brücke bringt schon schöne Kühlung. 

Noch Felder, aber es sieht trocken aus

Im Frühjahr fliesst hier wohl ein Bach

Der Fluss bringt Grün

Wenn Brücken die besten Schattenspender sind

Auch die Schweine geniessen das kühle Nass
Kurz nachdem wir losgefahren ist, überholt uns ein Autos, die Insassen winken freundlich und halten an. Es ist eine ältere Amerikanerin mit ihrer mongolischen Gastfamilie. Sie ist Englischlehrerin und hier vom Peace corp zum Unterrichten. Zur Zeit ist sie aber noch in der Angewöhnungszeit. In welche Ortschaft es sie verschlagen wird, weiss sie noch nicht, Дархан (Darkhan), das wir noch passieren werden ist eine ihrer Favoritinnen. Wir empfehlen ihr Tosontsengel, welches uns eine gute Mischung zwischen Land, Tradition, Moderne und Stadt erschien. Ihr momentaner Aufenthaltsort, die nächste Stadt Сайхан (Sajchan) gefällt ihr auch gut. Sie wohnt mit der Familie in einem modernen Appartement. Sie meint, dass die Familie auch eigenes Internet hätte, dies aber eigentlich kaum brauche. Kann wohl die fehlende Internetbegeisterung der Mongolen der Grund sein, dass es hier eine geringere Dichte an Internetkaffees gibt als in Afrika.
Sajchan ist wieder eine spezielle Ortschaft, auf der von uns linken Strassenseite liegt die übliche Einfamilienhaus/-hüttensiedlung auf der rechten eine Ansammlung von modernen Wohnblocks mit Begrünung. Wir fahren nicht in die Stadt, sondern gehen ins an der Einfahrtsstrasse stehende Restaurant für Nachtessen. Unsere Wahl aufs Gratwohl ist wiederum nicht schlecht und da Fahrrad fahren hungrig macht, genehmigen wir uns gleich noch ein weiteres Menu. Auch das gute Agavengetränk, dass wir von einigen Tagen geschenkt bekamen gibt’s zu kaufen. Dieses schmeckt mir sehr gut, wirklich erfrischend nach einem heissen Tag. Mit vollem Bauch fahren wir noch in den Abend. Die Schlafplatzsuche ist nicht ganz einfach, da links und rechts der Strasse Landwirtschaftsland ist, und Dinas Angst vor wütenden Bauern hat. Schluss endlich finden wir doch noch einen guten Platz, er ist zwar am Rande wohl einer alten zugeschütteten Mülldeponie, aber bietet dafür schöne Aussicht ins Tal und die Aufschüttung gibt gewisse Deckung, gegen die Strasse.
Sajchan (die moderne Seite)


15.7.
Wir fahren runter Richtung Дархан (Darkhan). Plötzlich wird die Strasse holpriger, hier besteht ein Teilstück aus Betonplaten, wohl gute alte DDR Entwicklungshilfe gewesen, z.T. sind die Schwellen zwischen den Platten ziemlich hoch, und man muss aufpassen, dass es nicht zu starke Schläge gibt, ansonsten wäre die leichte Strassenneigung super zum vorwärtskommen. Einige Kilometer vor der Stadt überquert die Strasse den Kharaa Gol. Hier gäbe es auch schöne Zeltplätze, denn es stehen erstaunlich wenig Jurten, dafür hats ab und an andere Campierende. Die Strasse nach Darkhan ist bald links und Rechts von hohen Bäumen gesäumt, eine Kanalisation mit Strassenentwässerung gibt es auch, nur leider scheinen die meisten Abflussgitterroste abhanden gekommen sein, somit heisst es aufpassen am Strassenrand. Darkhan ist gross und modern, gross geworden von den Minen und begleitenden Industrien, schon von weitem sah man den Dunst der Stadt. Die wirklich grossen Supermärkte öffnen erst später, den denn wir schlussendlich finden hat erstaunlich viele Deutsche Produkte, so wird es die nächsten Tage, deutsches Birchermuesli geben.
Als wir aus der Stadt hinausfahren ist entlang der Hauptstasse schon mehr los, und es braucht gewisse Konzentration beim Fahren und das Rumschauen wird durch die immer noch fehlenden Abflussgitter begrenzt. Der Verkehr nimmt aber schnell ab als wir aus der Stadt raus sind. An dem Ende der Stadt stehen dann doch noch typische Winterhaussiedlungen mit farbigen Toren.

Arbeiterdenkmal vor Dakhan

Zug bei Dakhan

Unweit von Darkhan gibt es wieder einen Landschaftswechsel, die Vegetation wird wieder karger und die Strasse führt auf eine Bergkette zu. Wunderschön anzuschauen ist der davor liegende Salzsee um welchen die Strasse in breitem Bogen führt. Es geht über einen kleinen Pass durch die Hügel, hinten runter lassen sich auf der guten, leicht abfallenden Strasse dann wieder Kilometer heizen. Unten im Tal angekommen geht es über den Fluss. Da es schon wieder heiss ist, gehen wir baden. Wir sind nicht die einzigen, neben ein paar ebenfalls durchreisenden Mongolen steht auch eine ganze Pferdeherde im kühlenden Wasser. Der kleine Fluss ist sehr erdig, und ab und an kommt auch mal ein Pferdeapfel geschwommen. Doch die Mongolen scheint es nicht zu stören und so plantschen auch wir im Braun. 

Beinekühlen tut gut

Die Erfrischung weicht schon bald wieder, auch wenns nur leicht hoch geht, ist man immer wieder froh, wenn kurz ein Baum oder Busch Schatten auf die Strasse wirft. Aber zum Glück kommt mit dem Yeröö Gol schon der nächste Fluss. Dieser ist grösser und wesentlich klarer. Auch gibt es hier schöne schattige Plätze direkt am Fluss, eigentlich schade, dass es nicht schon Übernachtungszeit ist. Wir sind wiederum nicht die einzigen, die sich im Nass vergnügen, in der Nähe ist gerade eine kleiner Gruppe am sich einzuschäumen und waschen.
Kaum los gefahren, eiert Dinas Hinterrad plötzlich, die Kontrolle zeigt, es sind schon wieder zwei Speichen hinüber und dies auf der Teerstrasse. Dina kann es kaum glauben, nach dem durch das holprige Tadschikistan nie was war und nun gleich so eine Häufung. Zum Glück sind noch genügend Ersatzspeichen dabei und der Zahnkranz lässt sich auch lösen. 

Kleine weisse Punkte - Jurten am Fluss

Langsam sind Bäume in Sicht

Heute ist einfach ein Tag zum Baden
Nach dem nächsten kleinen Pass wird’s Waldig und zum Teil spenden die Bäume sogar den ersehnten Schatten auf der Strasse. Plötzlich überholt uns eine grosse Gruppe von weissen Toyotas mit Aufschrift, wohl wieder so eine organisierte. Durch die mehreren Badepausen und Dinas Fahrrad wieder fit machen sind wir zu spät dran um noch hinter Suchbataar zu fahren. Weil wir es verpassen noch im Wald einen Zeltplatz zu suchen, haben wir zuerst Schwierigkeiten noch was von der Strasse nicht einsehbares mit Abstand zur Stadt zu finden, schlussendlich bleibt unser Schlafplatzglück aber erhalten. Zwar ist der Platz wieder Mal ohne Wasser, aber unsere Vorräte reichen noch bis wir am Morgen nach Suchbataar kommen.

Dienstag, 12. Juli 2011

Schöne Wege zur Teerstrasse


10.7.
Wir fahren wieder zurück zur grossen Strasse, aber benützen tun wir sie kaum, da es sich viel besser rollt auf den Lehmnebenwegen. Das sehen wohl auch die Autofahrer so, denn die meisten von ihnen fahren auch dort. Und dann kommt auch schon der Teer.... Für uns nur wenige Kilometer, da wir Öndör Ulaan abbiegen. Kurz vor dem Abzweig ist gerade die Strasse gesperrt und die alten Nebenwege werden wieder benutzt. Ein Automobilist ist wahrscheinlich zu schnell gefahren, und hat sein Wagen auf den Kopf gedreht. Geschehen ist ihm wohl nichts, aber sogar die Polizei ist da und dies scheint im zumindest nicht sehr zu behagen.

Irgendwie hier ungewohnt, einsames Gebäude
Eine Ferienhaussiedlung
Schöne Schlucht
Sicht bei der Brücke wo es eine kleine Ortschaft hat
Öndör Ulaan ist grösser als wir dachten. Und so wird nochmals eingekauft und Glace verspeist. Hier gibt’s es in den Läden erstaunlich viele Kosmetikprodukte und Haarfärbemittel in allen Tönen. Irgend ein riesiger Betongebäude ist noch im Bau, aber es hatte wohl erst vor kurzem gebrannt auf der Baustelle, was dies wohl werden soll? Da es nun schon um 11 Uhr ist, beschliessen wir zu schauen, ob es schon was zu essen gibt. Gibt es, und wir sind für einmal nicht die einzigen. Eine ganze Gesellschaft sitzt schon in einem Nebenraum wo der Fernseher läuft. Es ist nicht ganz klar ob ein Teil zur Familie gehört oder alles Gäste sind. Sehen tun von ihnen auch nicht mehr alle ganz klar. Immer mal wieder kommt einer von den schon ziemlich sturzbetrunkenen an unseren Tisch und wird aufdringlich. Sie weisen sich dann zwar gegenseitig zurecht. Wir empfinden es dennoch als nicht sehr angenehm, zumal es ja noch morgen ist, und sind schon kurz vor dem gehen. Doch das Essen schmeckt ganz gut. Ein Reisköpflein mit Fleisch ohne Fettklösse und sogar Gemüse hat es drauf (Peperoni, Tomate und Gurke).
Draussen wird ein fast weisses Yak vor einen Wagen gespannt. Irgendwie sehen diese viel individueller aus, als unsere Standardkühe.

Noch nicht ganz fertig
Überal schön anzusehen, die farbigen Tore
Schönes Holzhaus in Öndör Ulaan
Radbetrachtung von oben - Yak als Zugtier im Hintergrund
 Gestärkt geht es weiter. Die Weiden sind hier stark genutzt, das Gras steht nur Millimeter hoch. Und schnell versammeln sich wieder Fliegen um unsere Köpfe, an unserem Rücken, am Lenker .... Bei mir scheinen sie besonders gerne an den Brems- und Schalthebeln bei den Gelenken zu sitzen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an sie, dass man ab und an mal eine verschluckt ist normal und wohl Nahrungsergänzung. Wie sich wohl das einatmen der Fliegen auf die Gesundheit auswirkt?
Ausser kurzen steilen Zwischenpassagen ist der Weg angenehm zu fahren. Umso höher wir kommen umso höher wird auch das Gras. Es wurden somit wohl erst die unteren Weiden benutzt. Am Pass oben gibt es dann sogar Wald und wieder schöne Blumenwiese. So bleibt es auch vorerst beim runterfahren. 

Beim Wald ist die Passhöhe
Schöner, lichter Wald
Blumenwiese, krasser Gegensatzt zu dort wo geweidet wurde
Ausgerechnet wieder dort wo wir gerne Pause machen und waschen möchten leben die kleinen beissenden Fliegen und so fahren wir ein Stück weiter. Schön, dass sie immerhin nur lokal auftreten, denn an diese kleinen, überall reinkriechenden Viecher, die an mein Blut wollen, werde ich mich kaum gewöhnen.
Fast im Flusstal des Хануй гол (Khanui Gol) stehen immer wieder Gruppen von Holzverschlägen an den Hängen der sanften Hügel. Sie scheinen als Stähle zu dienen, sind aber zur Zeit nicht bewohnt.
Als wir vollends im Flusstal sind, wird der Weg vorübergehend schlecht für Fahrräder. Viele grössere Steine liegen darauf und leider auch daneben, so dass es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt. Schwarze Wolken ziehen auf und ein kräftiger Wind beginnt zu wehen, zum Glück Rückenwind auch wenn mit ihm die Wolken näher kommen. Der Weg ist wieder besser und so geniessen wir es, trotz drohendem Gewitter, mit Zug über die leicht gewellte Strasse fahren zu können. Wir haben Glück und richtig zu Regnen beginnt es bei uns nicht. Strassen gibt es wieder mal mehrere, wir entscheiden uns für die obere, da wir nicht sicher sind, ob die andere nur zu Jurten am Fluss führt, leider kommen wir so nicht direkt zum Fluss. Wir finden aber dennoch einen schönen Platz für die Nacht mit dafür traumhafter Aussicht übers Tal.

Zur Zeit nicht bewohnte Stallung
Mit Rückenwind geht es gut vorwärts
Es sieht grau aus
Blick von unserem Zeltplatz - alles frisch gewaschen
11.7.
Der Wind hilft leider nicht mehr mit, aber das Tal ist dennoch schön zu fahren und auch anzusehen. Dies scheint auch eine Gruppe von Mongolen zu denken, die ganz im westlichen Stil an einem Bach neben ihren Autos campiert. Sie wohnen wohl sonst in der Stadt. 

Der Punkt ist wieder mal Dina
Besuch an der Strasse
Für einmal eine graue Jurte
Für einmal mal Kühe
Sieht mystisch aus
Эрдэнэмандал (Erdenemandal) ist unerwartet gross. Hat mehrere stattliche staatliche Gebäude, Banken und natürlich Einkaufsläden. In einem der Läden findet Christian sogar vergorene Stutenmilch zum kaufen. Auch wenns viele Ausländer nicht mögen, ich finde diese sehr erfrischend. Da aber zur Zeit Naadam ist hat keine der Banken offen. Einheimische erklären uns, dass nun für 5 Tage vieles geschlossen ist. Somit ist leider nichts mit Geldabheben, da es auch keine Geldautomaten gibt. Kritisch ist es noch nicht mit unseren Geldvorräten, dennoch möchten wir die nächsten Tagen noch mal was weniges Tauschen oder abheben um nicht auf gewissen Luxus wie wenn vorhanden im Restaurant zu essen verzichten zu müssen. Internetkaffee gäbe es auch, doch auch dieses ist geschlossen, die Einheimischen, die uns schon über die geschlossenen Banken aufgeklärt haben, versuchen sogar den Besitzer anzurufen, doch der ist wohl zu Naadam weggefahren. Somit schon wieder kein Internet und da international Calls am selben Ort gewesen wären auch keinen solchen. Dafür finden wir wieder ein anmächelig aussehendes Restaurant. Das Bestellen gestaltet sich wiederum eher schwierig, da wir mit der Karte nicht besonders viel anfangen können. Die Besitzer sind nett, und zeigen uns die mögliche Vorspeise direkt um zu fragen, etwas ähnliches wie russischer Salat. Es schmeckt vorzüglich, und auch die Hauptspeise ist hervorragend: Geschnetzeltes mit vielen Peperonis zu Reis. Leider habe ich seit heute früh leichte Magenschmerzen und so darf Christian auch noch von meiner grossen Portion haben. Wohl gestärkt geht’s wieder los. Aus der Stadt hinaus begleiten uns zwei Jungs auf ihren ganz ordentlich aussehenden Rädern. 

Sieht noch unfertig aber luxuriös aus
Die der Stadt nähere Brücke ist leider nicht mehr passierbar. Um zum einen nicht einen kleinen Umweg in kau zu nehmen und zum anderen weil Christian einfach Lust hatte den Fluss zu furten zu versuchen, benutzen wir die Furt neben der kaputten Brücke. Das Wasser kommt zwar bis über die Knie, aber die Strömung ist nicht stark und so ist es angenehm durch den kühlen Fluss zu waten. Die zwei Jungs krempeln auch ihre Hosenbeine hoch, entschliessen sich dann aber vernünftiger weisse, den Fluss nicht zu queren sondern nur ihre Räder darin zu waschen. Auf der anderen Flussseite ist eine Familie neben ihrem Kleinwagen am picknicken, das von ihnen angebotene Bier lehnen wir dankend ab. Die kaputte Brücke ist übrigens nicht nutzlos, sondern dient als Schattenspender für eine Pferdeherde, denn Bäume sind gerade wieder Mangelware.

Brücken sind hier bei Pferden sehr beliebt
 Zuerst geraten wir auf den falschen Weg, können unsere Richtung aber mit einer kurzen Querfeldeinpassage wieder so ändern, dass wir ins Richtige Tal reinfahren. Hier herrscht wesentlich mehr Verkehr als weiter im Osten, vieles sind normale Autos, die einem scheinen nicht so richtig auf die Naturstrassen passen zu wollen. Viele von ihnen sind wohl auch die restliche Zeit eher auf Teer in der Stadt unterwegs und begleiten nun ihre Besitzer für die Feiertage aufs Land.
Auf dem Weg hoch zum Pass, welcher nach Хайрхан (Khaikhan) führt kommen uns zwei Fahrradfahrer entgegen. Es ist ein Pärchen aus der Schweiz, welches mit ihren Bikes die Mongolei erkundet. Gepäck haben sie auf den Rädern fast keines dabei, dafür einen Minibus mit Fahrer und dessen kleiner Tochter die sie begleiten und auch das Gepäck transportieren. Wahr scheinbar gar nicht so einfach einen englisch sprechenden Begleiter zu finden. Sie wollten aber nicht ganz auf eigene Faust unterwegs sein, da die Strassenfindung mangels Schilder und eindeutiger Führung (viele Wege z.T. parallel nicht immer einfach ist. Sie scheinen mit ihrer Lösung ganz zufrieden zu sein, und geniessen so auch den Vorteil, dank übersetzter zu wissen, was im Restaurant bestellt wird.

Klar zu erkennen - Schweizer
Als wir Хайрхан (Khaikhan) erreichen ist schon Abend, der nahe Fluss an dem wir hofften ein Übernachtungsplatz zu finden ist leider zu nah an der Ortschaft. Er glitzert aber wunderschön im Abendlicht und mehrere Picknicks finden an seinem Ufer statt. 

Die Strasse steigt nicht sehr fest
Die Passhöhe ist erreicht - die Fliegen haben es auch geschafft
... und wollen nun auch aufs Foto
Mal eine etwas spitzere Hügelform
Beruhigendes Bild
Direkt beim Ort, hier sind einige am Picknicken
Wir kaufen nur kurz ein, und fahren noch über den nächsten Hügelzug (den Pass Холбоогийн даьаа), wo es auch einen Bach geben sollt. Zwischen zwei Jurten finden wir einen Übernachtungsplatz in der nähe des Baches. Der Bach führt leider nur sehr wenig Wasser und ist ziemlich verschlammt. Wie wohl meist, werden wir von den Jurten beobachtet, denn es gibt Besuch von einer der Jurten, einen grossen Kessel mit warmem Wasser zum Waschen und Abwaschen und eine Flasche mit Milch. Nette aufmerksam und gastfreundliche Personen unsere „Nachbarn“ und dabei gar nicht aufdringlich. Die frische Milch schmeckt herrlich.
Blick vom Zeltplatz

12.7.
Nachdem in aller frühe wieder mal eine Ziegenherde bei/über unser Zelt weg auf die Weideplätze zog geht’s wieder los. Kessel und Milchflasche werden dankend zurück gebracht. Wir wollen eigentlich über Сайхан (Sajkhan) auf die Hauptstrasse A0902 fahren. Unser Atlas zeigt uns zwar an, dass es neben dem auf der Karte eingezeichneten Weg noch andere gibt, aber trotz dem Bewusstsein, finden wir den Abzweiger nach Сайхан (Sajkhan) nicht, wir nahmen an, dass die Strasse zur Ortschaft die meist befahrene sein sollte, dem war aber nicht so, denn es gibt in der Gegend eine neue Strasse die von der Teerstrasse zu einer Mine führt und nun als Verbindung nach Хайрхан (Khaikhan) verwendet wird. Wasser ist rar in der Gegend, die kleinen Bäche und Wasserflächen, stehend und versumpft zu der Jahreszeit sowie z.T. auch salzig. Da wir planten in Sajkhan Wasser zu fassen, haben wir nur wenig Reserve dabei und überlegen schon bei einer der weitverstreuten Jurten danach fragen zu gehen. Dies lässt unser Stolz aber doch nicht zu, zumal wir ja noch nicht komplett auf dem Trockenen sitzen und auch die Einheimischen das Wasser von weiter her holen müssen. Vom Abzweiger zur Mine an ist die Strasse zwar nicht geteert aber sehr breit und mit Kies geschüttet, da aber vor kurzem erst erstellt, hat sie noch fast keine Schlaglöcher und ist darum auch bei den Autofahrern beliebt auch wenns ein kleiner Umweg bedeutet. Uns hätte wohl der andere Weg mindestens gleichgut gefallen, aber auf Umkehren hatten wir auch keine Lust, zumal die Richtung einigermassen stimmte.

Sanfte Hügelzüge

Die Gers stehen weit verteilt
Für einmal mal ein Haus
Jeweils Abwechslung auf der Strasse

Von weitem an der Staubfahne zu erkennen

Auch Schafe fahren mit

Schon bald bei der Hauptstrasse
Es ist schon gegen Abend als wir die geteerte Hauptstrasse erreichen. Diese ist fast ein Kulturschock nach den bis jetzt eher einsamen Strassen in der Mongolei. Die Strasse ist in einem super Zustand, zum Teil noch nicht komplett fertig gestellt, aber die Bautrupps sind dran. Auf dem ersten kleinen Pass Richtung Булган (Bulgan) gibt es sogar zwei Restaurants, und so können wir unsere Wasservorräte wieder auffüllen. Pferde fotografierend am Strassenrand stehend treffen wir ein älteres Deutsches Ehepaar mit ihrem zum Überlebensmobil ausgebauten gelben MAN-LKW. Sie beklagen sich über die katastrophale und allgemeingefährliche Fahrweise der Mongolen. Diese lernen wir aber zum Glück nicht kennen, meist wird mit wirklich genügend Abstand überholt und die meisten Hupen eher zum Grüssen als um uns von der Strasse zu verscheuchen, wie sie es mit Kuh- oder Schafherden machen (obwohl es vor allem die Kühe kaum beeindruckt).

Passhalt

Liebliche Landschaft
Für die Nacht finden wir einen schönen Platz an einem Bach unweit der Strasse, der aber von dieser schlecht einsehbar ist. Wir geniessen wieder mal schönes, fliesendes Wasser direkt vor dem Zelt zu haben und machen noch Grosswäsche, denn es hat sogar einen kleinen Baum zum aufhängen. Auch das Innenzelt wird gewaschen und geschruppt, damit dieses wieder Bärenkonform ist für Russland. Ab sofort wird somit wieder draussen gekocht und gegessen. Als es schon eindunkelt ziehen noch drei Jungs mit einer Pferdeherde vorbei in Richtung Dorf. Touristen scheinen hier nicht allzu selten zu sein, sie schauen nur kurz vorbei und treiben dann die Pferde weiter.

Schöner Zeltplatz am Bach

Vorbei ziehende Pferdeherde