Donnerstag, 21. Juli 2011

Ins Barguzin Tal

19.7.
War es die zu grosse Buchweizenportion oder doch eher Viren oder Bakterien? Christian ist heute nicht wirklich fit, Übelkeit und Bauchschmerzen. Aber aufs Fahrrad soll’s dennoch gehen.
Besondere Stimmung zaubern die Nebelschwaden die sich örtlich über die Landschaft legen. Die Strasse führt mal direkt am See, dann wieder weiter Inland durch den Wald. Möchte man an jedem schönen Ort Rast machen, hätte man sehr, sehr lang.
Максимиха (Maksimikha) ist eher touristisch, an einem Felsen im Ort wird sogar geklettert. Kurz darauf kommt uns ein Tourenradler entgegen, von der Beladung und dem Fahrraddress her denken wir Russe. Dem ist aber nicht so, und das Gespräch ist deutsch. Eigentlich ist für ihn die Reise hier am Baikal (auf der anderen Seeseite nach Olkhon und mit dem Schiff nach Ust-Barguzin) nur Anfahrt. Sein eigentliches Ziel ist die Mongolei wo er an der Mongolian Bike Challenge teilnimmt, einem MTB Rennen das etwa zwei Wochendauert und neben den auch technischen und anstrengenden Etappen auch der Reiz die Landschaft ist.
Christian geht’s leider immer noch nicht besser, und so machen wir eine lange Mittagspause am See, den wir bald nicht mehr sehen werden.

Eine Reise wert
Sofastein

Einer der schönen Strände

Auf dem Weg an die Mongolian Bike Challenge
Hier gibts Mittagspause
Die Fahrt nach Ust-Barguzin wird anstrengender gedacht, dass es über einen kleinen Pass geht wussten wir, und dort sind wir auch schnell oben, aber dahinter endet wieder der Teer und es gibt grobes Wellblech, das einem durchschüttelt. Nicht ideal bei Bauschmerzen. 

Mal nicht der Baikal, sondern leicht oberhalb
Hier nicht gut zu sehen, aber die Strasse hatte mächtige Blasen
Устъ-Баргузин (Ust-Barguzin) begrüsst uns mit einer grossen rauchenden Mülldeponie. Die Ortschaft selbst ist auch gross, scheint aber ihre Blütenzeit hinter sich zu haben. Da gerade Stromausfall ist, gibt’s wiedermal kein Internet, und ausser in einem etwas grösseren Kaufhaus mit Generator ist in den Läden eher düster. Den Einwohner scheinen Touristen aber etwas wert zu sein, denn als uns ein wohl geistig Behinderter (oder nur Betrunkener?) uns anquatscht wird er kaum hat er sich uns genähert von einer anderen Passantin zurecht gewissen, er solle gefälligst die Touristen in Ruhe lassen.
Sehr schön ist das Mündungsdelta des Barguzin, gerne möchte man es mit dem Schiff weiter erkunden. Die Fähre darüber ist klein, fährt aber oft. Beim kurzen Warten machen wir Bekanntschaft mit Jura, einem Mann geboren in Nuovo Uoian. Er fährt mit seiner Familie auf die nahe Halbinsel. Als er erfährt, dass unser nächstes Ziel seine Geburtsstadt über den Winterweg ist, meint er wir seien verrückt, das sei viel zu anstrengend, und dann noch Christian alleine weiter entlang der BAM, mit all den Bären. Er will Christians Telefonnummer, dass er im September uns anrufen kann um sich zu versichern, dass wir heil zurück sind. Ein Anruf von ihm ist nie gekommen, hoffentlich ist auch Jura und seine Familie wieder heil daheim angekommen.
Die Fähre wird von einem kleinen Schlepperboot auf die andere Seite gezogen, faszinierend die Kraft die es hat, und die Präzisionsarbeit, die sein Fahrer leistet.
Da der Tag schon fast vorbei ist, nehmen wir den erst besten Zeltplatz am Rande einer Moorwiese. Solange die Sonne scheint geht’s mit den Mücken, dann schnell ins Zelt.

Schiffe im Hafen von Ust Barguzin

Das kleine Schiff zieht die Fähre

Der Barguzin schimmert tief blau

Wiedermal steht das Haus für die Nacht
 20.07.
Unsere heutige Etappe führt uns nie weit vom Barguzin weg, auch wenn der da oft waldig nicht immer zu sehen ist. Der Hauptort der Gegend Barguzin überrascht uns positiv, es gibt viele schöne Holzhäuser mit Schnitzereien zu bestaunen und zu Christians Freude gratis Internet das funktioniert im Kulturhaus. Auch ein feines Mittagessen finden wir, im wohl Stammrestaurant der Polizei, denn das ist der Hauptanteil der Gäste. Leider verlässt uns hier das Wetterglück, nachdem es kräftig geschüttet hatte während dem Essen lässt dieser zwar vorerst nach, setzt aber leider bald wieder ein und begleitet uns danach den ganzen Nachmittag mit kleinen Unterbrüchen. 
Klein aber fein
Der Barguzin
Und noch mit Christian
Immer mal wieder hat es Schmetterlinge
Sehenswert ist der Ort Barguzin
Sowjetblock in der Holzausführung in Barguzin

Die Sicht hier auf die umliegenden Berge und den Fluss müsste wunderschön sein, unsere ist aber auf Wolken verhangene Hänge und Strassenpfützen beschränkt. Die Natur ist aber wahrscheinlich froh um das Wasser, sei doch der Juni extrem heiss und trocken mit vielen Waldbränden gewesen. Die Spuren eines solchen von diesem Jahr sehen wir dann auch direkt an der Strasse, welche für kurze Strecke schwarz ist.
Das Radfahren wird immer mühsamer, nicht nur dass wir trotz Jacken ziemlich feucht sind, sonder viel mehr auch wegen der nun aufgeweichten und darum klebenden Strasse (Naturbelag). Unsere Hoffnung auf ein feines Nachtessen im trockenen Restaurant wird leider zerschlagen, dieses ist zwar vorhanden aber gerade in Renovation.
Gezeltet wird leicht erhöht über der Strasse, hier ist es dank leichter Hanglage immerhin nicht allzu sumpfig, nur einen bärensicheren Baum zum aufhängen des Essens hat es nicht. Obwohl es wohl die Bären hier selten vorbei kommen, lässt es Christian keine Ruhe, und er stellt unser Essenstaschen einfach vom Zelt weg. Wo sie auch am nächsten Morgen noch liegen.
Hier musste es erst kürzlich gebrannt haben

Der verworrene Lauf des Barguzin hier in der Ebene
 21.7.
Der Tag beginnt trocken, die Berge verstecken sich aber immer noch hinter einer dichten Wolkenhülle. Die Strasse klebt zum Glück nicht mehr ganz so sehr wie am Vortag, aber so ein richtiges Rollgefühl gibt’s nicht, bis .... plötzlich wieder Teer ist. Wir denken zuerst, es sei nur bis durch die nächste Ortschaft durch. Doch er hält an bis 13 Kilometer nach Курумкан (Kurumkan). Kurumkan ist erstaunlich gross und es gibt einen sehr guten modernen Supermarkt mit breitem Angebot nur Brot hats keines, dies gäbe es in Alla erklärt später jemand Christian. Restaurants hats natürlich auch und somit gibt’s schon wieder ein feines Mittagessen. Beim warten vor dem Supermarkt werden unsere Räder bewundert, obwohls daneben modernere zu kaufen gibt. Bevors weiter geht, geht’s noch bei einer Autowerkstatt vorbei. Bei Christians Gepäckträger ist eine Strebe gebrochen. Da noch zwei weitere da sind, hebt er zwar noch aber wir wollen dennoch schauen was sich machen lässt. Der Träger wird mit einem Stift wieder zusammen geflickt. Beim Warten erfahren wir noch, dass der Barguzin, den wir morgen queren müssen momentan sehr hoch sei und zu Fuss kaum durquert werden kann da fast manneshoch. Zudem hält ein Mann nur um mit uns schnell ein Foto zu schiessen, er ist voll begeistert, dass wir mit dem Rad die Gegend hier anschauen.
Überall hat es noch Pfützen

Und die Wolken hängen noch tief
Christians Gepäckträger wird repariert
Frisch auf die nicht mehr geteerte Strasse gefahren treffen wir einen netten Lastwagenfahrer, der Zieglsteine nach Ulyunkhan transportiert, und dann Holz zurück nimmt. Zwei Tage braucht er von Ulan Ude, aber mit einem Auto lasse sich die Strecke auch in unter sieben Stunden schaffen. Er bietet an uns mitzunehmen, wir lehnen dankend ab, da wir gern die Gegend hier weiter vom Velo her betrachten wollen. Auch seine Überredungskünste helfen nichts. Wenn schon nicht mitnehmen, dann will er uns immerhin noch Limo schenken (Solche hat er neben den Ziegelsteinen ebenfalls beladen). So bekommen wir mindestens drei Flaschen. 

Es sieht wieder nach Regen aus - sonst wären hier höhere Berge zu sehen

Unser Limonadespender
Trocken sollen wir wohl auch heute nicht bleiben, obwohl es aussah wie schönes Wetter kommt, regnet es jäh heftig los und dies obwohl nicht wirklich eine Wolke da ist für eine erstaunlich lange Zeit. Abendessen kochen wir heute im Strassengraben, da wir im dichten Wald keinen besseren Platz finden, und nicht an unserem späteren Schlafplatz kochen wollen. Verkehr hat es fast keinen mehr. Kurz nach dem Essen kommt uns ein weisser Kastenwagen entgegen, der nach Touristen und 4 x 4 aussieht. Christian winkt, sie halten an, und tatsächlich, es ist eine Gruppe Letten die den Weg fuhren, den wir machen wollen. Zu ihnen würde noch ein zweiter Kleinlaster gehören, doch der ist leider auf der Strecke mit Achsbruch stecken geblieben. Nach dem sie schon davor sehr viel Zeit gebraucht hatten Dauerte für sie die Querung nun volle zwölf Tage. Der bestellte Abschlepplastwagen mit dem Kleinlaster soll später am Abend nach kommen. Natürlich fragen wir sie aus über den Zustand des Weges und die Wasserstände. Leider stellten sich viele Infos im Nachhinein als falsch raus.

Fliesst bald über

Zum Glück am Abtrocknen

Sonntag, 17. Juli 2011

An den Baikalsee

16.7.
Wir fahren früh los um nicht zu spät an der Grenze zu sein, wir wollen es vermeiden dort allzu lange warten zu müssen. Suchbataar ist noch verschlafen. Nach etwas Suchen finden wir aber dennoch einen offenen Shop für Wasser. Ab hier ist es nicht mehr weit bis zum Grenzort. Kurz bevor wir ihn erreichen überholen uns wieder die weissen Jeeps. Wir erfahren beim Warten an der Grenze, dass es Thailänder sind, die so bis nach Europa fahren. Die Gegend scheint für organisierte Jeeptouren interessant zu sein, denn die Thailänder sind nicht die einzige Gruppe. Es hat auch noch eine Gruppe die von Peking nach London fährt. Organisiert ist sie von einem Australier. Es ist nicht das erste mal, dass er diese Strecke fährt. Aber China meint er, werde er ihn der Zukunft wohl nicht mehr aufs Programm nehmen, da dort das Administrative immer mehr zunimmt.

Kurz vor Suchvaatar

Thailändische Jeepreise
Es waren auch sonst schon einige Autos und LKW am warten als wir an der Grenzstation ankommen, die scheint mitten im Dorf zu sein, und drüben geht es fast nahtlos mit der russischen Ortschaft weiter. Es bleibt noch Zeit zum shoppen und unser letztes mongolisches Geld auszugeben. Doch den sehr guten mongolischen Kräutertee, den es sonst immer in den Läden hatte gibt’s ausgerechnet hier leider nicht. Somit wird nichts mit Teemitbringsel.
Mit den Rädern müssen wir bei der ersten Schlange vor dem Einlass zur Grenze zum Glück nicht anstehen, sondern werden vor gewunken. Während ich au die Fahrräder aufpasse übernimmt Christian die Grenzabfertigung im Gebäude. Es dauert seine Zeit, da nicht alle hinten anstehen können. Ganz sauber läuft es hier an der Grenze wohl auch nicht, denn ich beobachte wie ein Grenzangestellter eine in eine Decke gewickelte Flasche möglichst unauffällig in die Hände gedrückt bekommt. Viele der Einheimischen die hier über die Grenze wollen sind Händler und passieren hier regelmässig. Um zu dem nahen russischen Grenzposten zu kommen, muss ein Desinfektionsbad durchfahren werden. Es ist eine trübe unsympathische Giftlache, aber zum Glück nicht ganz so tief wie befürchtet, aber abstehen ist dennoch auf keinen Fall erwünscht.
Die russische Grenzbeamtin nimmt’s genau mit der Gesichtskontrolle. Den mongolischen Händlerinnen geht’s zu langsam und so drängeln sie sich vor. Auch bei uns wir genau geschaut, und immer wieder das Bild mit dem Original verglichen. Aber wir scheinen noch die selben zu sein und dürfen weiter.
Кяхта (Kyakhta) überrascht. Es hat sehr viele schöne ältere Häuser mit liebevollen Schnitzereien. Auch die Kirche erscheint einem nach den schlichten Häusern der Mongolei aus einem Märchenbuch. Wir haben uns entschlossen eine Fahrgelegenheit nach Ulan-Ude zu suchen, da wir gerne noch genug Zeit für die Baikalseeregion haben möchten. Die Fahrgelegenheit organisieren gestaltet sich dann erstaunlich einfach, nach kurzem Nachfragen findet sich der Busbahnhof und nach nicht grossem Verhandeln ein Minibusfahrer, der uns und vor allem die Räder auch mit nimmt. Es ist fast zu schnell gegangen, den die Ortschaft wäre eine Erkundung wert gewesen. Da wir aber in Ulan-Ude noch in einen Radladen möchten und Samstag ist, sind wir auch nicht unglücklich drüber. 

Eines der schönen Holzhäusern

Immer gut -Bus mit Dachträger

Der Minibus ist vollbesetzt, die fahrt geht rasant, mit kleinen Sprüngen über die Bodenwellen. In einem Strassenkaffee wird eine kurze Mittagsrast gemacht, dann geht’s weiter, vorbei am Gusinoe See nach Ulan Ude. Die Mitfahrerin mit den Asphaltstecherschuhen, versucht uns zu erklären wo sie einen Radladen vermutet. Unsere Suche war leider vorerst nicht erfolgreich, ein Eisenwarenladen, der auch Räder und Mopets verkauft, hatte die erforderliche Länge der Speichen nicht. Nach ein wenig rum fahren in der Stadt treffen wir eine kleine Gruppe Junger BMXler. Christian kombiniert sofort richtig, und sie können uns prompt einen Laden mit gutem Angebot nennen. Trialsport ist zwar kein reiner Ladladen sondern ein grosses Sportgeschäft, aber ihre Radabteilung hat ziemlich vieles. Meine Speichenlänge befindet sich zwar auch bei ihnen nicht auf Vorrat. Aber nach suchen, finden sie die genau richtige Länge in einem Reserverad, und so bekomme ich diese (klar ist danach keine der Speichen mehr gebrochen).
Nach der Radladensuche geht es auf Unterkunftssuche, diese geht schneller, wir kommen in einem alten Sowjetkastenhotel unter. Im Zimmer blättert zwar die Tapete und im Bad hat man angst das Lavabo runterzureissen, aber es ist tipp topp sauber und sogar unsere Räder dürfen aufs Zimmer.
Christian hat besonders Freude an den vielen Brotgetränk-Ständen. Und ich muss zugeben frisch schmeckt es noch ganz gut, nicht so wie aus der PET Flasche mit Süssstoff.
Nach dem Genuss mal wieder einer warmen Dusch geht es in die Stadt fürs Abendessen. Doch ein Restaurant zu finden ist nicht so einfach wie gedacht. Viele scheinen Sommerferien zu haben und sind geschlossen. In einem Keller finden wir dann ein kleines Russisches Restaurant mit einfachen Gerichten, das Essen ist gut, nichts besonderes aber sehr günstig. Auf dem Heimweg kommen wir an einem Burratischen Restaurant vorbei. Das wäre es gewesen, aber warum nicht nochmals Essen gehen, auf Raddour herscht ja Dauerhunger. Es lohnt sich wirklich, die Lebern sind super zart und die Smetana-Butterspeise schmeckt auch hervorragend und dazu gibt’s super Kompott zu drinken mmhhhhhhh. Durch das zweite mal Essen ist dafür das Internet schon geschlossen, nicht schlimm denken wir, gehen wir morgen hin.

Ulan Ude

Nur nichts zu fest anfassen - es super sauber aber sonst bröckelts

17.7.
Die Auswahl an Teilchen in der Bäckerei war riesig, die Menge der Füllung in ihnen nicht, dennoch Frühstücken wir ausgiebig. Die Zimmerdame, die heute dienst hat, kann sogar etwas deutsch. Das ganze Personal ist wirklich sehr freundlich. Wies auf der Reise so ist, haben heute Sonntag natürlich alle Internets geschlossen, auch die wo offen steht. Christian tröstet sich dann beim Einkaufen in einem riesigen Shoppingcenter. Eine der wichtigen Erstehungen Mückenspirale und –Spray.
Erstaunlich schnell für die grosse Stadt ist man ausserhalb in der grünen Datscha-Zone. Auch ein Buddhistisches Zentrum findet sich unweit der Stadt, ob es wohl das ist was uns die eine Dame im Bus ans Herz legte zu besuchen? Langsam beginnt die Strasse zu steigen, der Teer ist zwar hie und da mitgenommen, aber es ist Teer. Die Umgebung ist waldig, hie und da sind kleinere Wundmale im Wald von älteren Bränden zu sehen. Und dann doch, kein Teer mehr, dafür den Eindruck von plötzlich mehr Verkehr, der den Staub der Strasse  zu Wolken aufwirbelt. Wir retten uns in einen Seitenweg um Staubfrei Mittagessen zu können. Zum Dessert gibt es Smetana mit Konfi, was wir noch oft essen werden, die Reise werde ich wohl kaum gross abnehmen.
Tempel kurz hinter Ulan Ude

Hier fehlt leider für eine kurze Strecke der Teer

Farbtupfer beim Mittagessen
Kurz nach dem Mittagessen, als wir auf dem Hügelzug sind, kommt dann doch wieder Teer. Aufmerksame Abfahrt ist aber wichtig, denn der Teer hat unerwartete Wellen, von vielen Hitzetagen über die Jahre hindurch ist er aufgeworfen. Wenn nicht abgebremst wird, gibt setzen die Räder zu unerwarteten Sprüngen an. So erging es wohl auch einem Autofahrer, dessen Gefährt an der Böschung liegt, die Polizei ist auch da. Auch heute ist es warm. Die Kühlung des Eises das es am Abzweig zum Baikalsee gibt war dringend notwendig.

Auf dem Hügelzug

Erstes Dorf, hier gehts wieder zusammen mit der Hauptverbindungsstrasse

Es herrscht kaum Verkehr auf der Strasse Richtung See – noch. Nach einiger Zeit ist der Teer wegen Bauarbeiten nicht mehr da. Und dann kommen sie, staubend, zu zweit oder sogar zu dritt nebeneinander, die Rückreiser vom Baikalsee. Den Nebel den wir von weitem sahen war nicht dunst, sondern eine Staubwoke, die über dem Tal hängt. Auch mit Tuch vor dem Gesicht und um den Kopf und Brille auf, dringt der Staub durch. Ab und an ist Ausweichen auf Nebenwegen, die vom Bau sind möglich, oder durch ein Dorf das glücklicherweise nicht ganz an der Strasse liegt. Den Wochenendverkehr mag man hier wohl kaum, denn danach müssten die ganzen Dörfer abgespritzt werden. Mal gibt es nun wieder Teer, dann wieder Staubstrecke. Von der Landschaft, kommt man durch die Dunstwolke weniger mit, doch die Häuser in den Dörfern, trotzen mit ihren Leuchtend angemalten Fensterrahmen und den farbigen Toren der kriegartigen Staubwolke. Es lohnt sich somit auch, wenn nicht Rückreiseverkehr ist, der einte oder andere Abstecher durch die Dörfer zu machen.
Einen Zeltplatz finden wir dann hinter Гурулеьо (Gurulevo) etwas Abseits der Strasse an einem kleinen Bächlein, hier stören höchstens die Mücken, aber die gekauften Spiralen bewähren sich. Wie gut tut es doch, sich den Staub abwaschen zu können.

Grüne Weidelandschaft

Einer der vielen schönen Bäche

Auf der Strasse ist Kriegsstimmung

Schöne Häuser - mal ganz in Grün

Oder nature gehalten

Blau - Grün

Hellblau

Zum Glück nicht ganz an der Hauptstrasse - der Staub kommt aber dennoch bis hier hin

18.7.
Heute ists ruhiger auf der Strasse, der Staub zwar immer noch nicht ganz aus der Luft, aber richtiger Nebel überwiegt. Immer wieder quert die Strasse kleinere oder grössere Bäche, hier ist sie wieder geteert und in super Zustand, links und rechts gesäumt von einem dicht zusammenstehenden Mischwald.

Immer mal wieder Blumen
Als wir Гремячинск (Gremyachinsk), der erst Ort am Baikalsee erreichen herrscht immer noch Nebel, und es tröpfelt leicht. Und die Frau die mich vor der Post anspricht meint auch es sei zur Zeit schrecklich kalt. Internet geht natürlich mal wieder nicht, aber so haben wir ja auch ein Grund die Dörfer anzuschauen und müssen, nicht immer Einkaufen, was wir dann aber meistens doch tun. Der Baikal ist noch nicht zu sehen vom Ort, das leicht zurückgesetzt liegt. Kaum draussen biegen wir links in einen Seitenweg ein, wir wollen ihn endlich sehen, das grösste Süsswasserreservoir der Erde. Der Wald lichtet sich, zuerst eine Sanddüne, Velo darüber schieben und dann ist er da. Der Nebel lässt die Konturen verschmieren, das gegenüberliegende Ufer ist nicht zu sehen. Nur wenige Leute sind hier, zwei Männer bei einem kleinen Boot gerade am Fische reinbringen, wenige Zelte stehen. Am Wochenende, bevor die Blechlawine wieder zurück donnerte, muss es wohl hier viel lebhafter gewesen sein. Auch wenns kühl ist, müssen wir ins Wasser und paar Züge Schwimmen. Christian der früher rein und raus ging ist gleich von zwei aufgestellten Mädchen umlagert, die ihn interessiert ausfragen, vor allem Mascha ist sehr aufgeschlossen. Sie kommt aus Ulan Ude und ihre Kollegin aus einem der Orte die wir gestern im Staub passiert, sie sind hier mit ihren Grosseltern, zu denen auch die Fischer gehören. Frisch gegrillte Fische bekommen wir dann auch serviert, sie schmecken herrlich, wir sollten wohl auch mal fischen lernen.

Der Baikalsee - Fischer im Nebel
Wir fahren einem Weg den Strand entlang weiter, bis dieser wieder auf die Hauptstrasse führt. Diese geht zwar weiter nahe entlang des Ufers, aber durch den Wald ist die Sicht auf den See eingeschränkt, die vielen wegführenden Wege lassen aber darauf deuten, so wie die vollen Abfalleimer am Strassenrand (werden gerade geleert), lassen aber darauf deuten, dass auch hier am Strand am Wochenende ein riesiger freier Zeltplatz ist. Die Gegend ist erstaunlich aufgeräumt und wenig verbaut, hätte ich doch Wochenendhäuserverbauungen entlang des ganzen Ufers erwartet nach dem gestrigen Verkehr, aber das Zelten scheint beliebt zu sein.
Bei der Dorfeinfahrt nach Турка (Turka) treffen wir auf eine Gruppe junger Belgier, Rucksacktouristen und eigentlich auf der Transsib unterwegs. Das Ufer an welchem die Transsib vorbei fährt war ihnen zu touristisch und darum sind sie hier raus gefahren. Sie wissen aber nun nicht recht was sie sollen, und das Autostoppen will gerade nicht so. Dass die Gegend bis ganz nach hinten im Bagusintal erstaunlich gut mit Busen erschlossen ist, realisieren wir erst später. Neben den Belgien steht auch noch einer der wenigen sturzbetrunkenen Russen die wir sehen, sonst geht’s hier in den Dörfern eher geordnet zu.
Dank Internetsuche fahren wir auch in die leicht abseits der Strasse gelegene Ortschaft Горячинск (Goryachinsk). Internet gibt’s (gerade mal wieder nicht) auf der Post. Der Ort hat heisse Quellen und verschiedene grössere schöne Holzhäuser zeugen von schon länger bestehendem Tourismus. Ein kurzer und lohnender Abstecher. Eine eigene Gang hats auch, besteht aber aus Hunden und wirkte eher friedlich.
Für die Nacht finden wir einen wunderschönen Platz am See und zur Zeit einsam, auch wenn es wohl nicht immer so ist. Und dass der schöne Platz richtig zur Geltung kommt klart sogar der Himmel auf und die Sonne sagt noch gute Nacht bevor sie in den See taucht.

An den Wochenenden ist es hier voller Zelte

Kleiner See neben dem Grossen

Hellblau zu Grün scheint nicht unüblich zu sein

Die örtliche Hundegang
Einfach nur schön - unser Zeltplatz

Da brauchts keine Worte

Glockenblume